8. Jahrgang Nr. 7 / 25. Juli 2008 - 22. Tamus 5768

Über den Schichten der Geschichte

Wettbewerb für neues Jüdisches Museum in Köln entschieden – Oberbürgermeister distanziert sich plötzlich vom Siegerentwurf

Von Ulf Meyer

Der Wettbewerb zur Bebauung des Rathausplatzes in Köln ist entschieden. Nach dem Siegerentwurf des Architekturbüros Wandel Hoefer Lorch Hirsch aus Saarbrücken wird über der „Archäologischen Zone" und den derzeit dort laufenden Ausgrabungen ein „Haus und Museum der Jüdischen Kultur" errichtet. Unter dem Platz liegen die Reste einer antiken römischen Kolonie und einer mittelalterlichen jüdischen Siedlung mit Synagoge und einer Mikwe, die heute noch existiert. Insgesamt 36 Arbeiten waren bei dem Architekturwettbewerb abgegeben worden. Im Frühjahr hatte sich die Jury mit 21:1 Stimme für den Saarbrücker Vorschlag entschieden. Der Bauort zwischen Rathauslaube und Wallraf-Richartz-Museum gilt als einer der sensibelsten der Stadt.

Das Saarbrücker Architekturbüro Wandel Hoefer Lorch Hirsch hat bereits die neue Synagoge in Dresden und das Jüdische Zentrum in München entworfen, die neue Maßstäbe in der zeitgenössischen Sakralarchitektur in Deutschland setzten. In Köln sehen die Architekten ein Tragwerk vor, das mit nur wenigen Stützen über den Ausgrabungen auskommt und als Schutzbau dient. Auf zwei abgehängten Etagen sollen die Museumsräume Platz finden, nur über der Mikwe und der einstigen Synagoge gibt es bis zum Dach durchgehende Freiräume. Der untere Teil des Neubaus soll Passanten Einblicke auf die Archäologische Zone erlauben. Das Besondere dieser Lösung ist es, dass die Synagoge und die Mikwe vom Museumsbau eingeschlossen und von oben belichtet werden.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Rathausplatz vollständig bebaut und auch der Neubau nutzt fast den gesamten Raum. Um einen zu massiven wirkenden Eindruck zu vermeiden, sehen die Architekten eine zum Teil transparente Fassade und ein unregelmäßig gefaltetes Dach für das Neubausensemble vor. Der Entwurf stellt das ehemalige jüdische Viertel in seinen Konturen wieder her. Mit einer maximalen Höhe von 14 Metern orientiert sich der Neubau an den Traufhöhen der Rathauserweiterung und des Spanischen Baus (Rathaus). Über einem gläsernen Sockel sehen die Architekten Stein- und teilweise hinterleuchtete Fassaden vor.

Wie bei Bauprojekten an zentralen Innenstadtlagen üblich, haben sich auch Kritiker des Projektes zu Wort gemeldet, die Zweifel an der städtebaulichen Lage des geplanten Neubaus und seiner Finanzierung haben. Zusätzlich verkompliziert wird das Verfahren, weil die „Archäologische Zone" und das Jüdische Museum Köln von verschiedenen Bauherren realisiert und in getrennter Trägerschaft geführt werden. Um das Projekt der Archäologischen Zone, dessen Finanzierung bereits gesichert ist, nicht zu gefährden, braucht die Stadt die Zusage des Trägervereins, Bau und Betrieb des Museums zu finanzieren. Der Förderverein „Gesellschaft Haus und Museum der Jüdischen Kultur" will das Museum durch Spenden finanzieren: Die erste Schätzung der Baukosten zusammen mit der von Land und Stadt finanzierten „Archäologischen Zone" beläuft sich auf 15 Millionen Euro, für die Folgekosten soll der Verein aufkommen.

Darüberhinaus distanzierte sich Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) inzwischen von dem Entwurf, den er als Jurymitglied zunächst ausdrücklich gelobt hatte. Mittlerweile hält er den Museumsbau in der Altstadt in der geplanten Version für zu dominant. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, hat die zögerliche Haltung zum Bau des Jüdischen Museums kritisiert. Der Siegerentwurf, der die historische Schichtung römischer und jüdischer Stadtreste sichtbar und begehbar mache, verspreche ein «architektonisches Juwel» zu werden, betonte Korn.

Um diese Unstimmigkeiten auszuräumen, hat Korn, der im Beirat zur Neugestaltung des Rathausplatzes sitzt, ein Telefonat mit dem Kölner Oberbürgermeister Schramma geführt. Dabei seien „sämtliche Kritikpunkte offen erörtert" worden, so Korn und man sei übereingekommen, in einem persönlichen Gespräch „möglichst eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen".

Noch bis 15. August werden die Entwürfe für die Gestaltung der Archäologischen Zone und des geplanten Jüdischen Museums im Rathaus gestellt.