8. Jahrgang Nr. 7 / 25. Juli 2008 - 22. Tamus 5768

Europareisen "mit jüdischer Note"

Der besondere Urlaubstipp: Wo man in Spanien oder Portugal Kosheres kaufen kann

Von Irina Leytus

Jüdisch Reisen ist in Mode gekommen. Spezielle Reisen werden nach Paris und Krakau, Odessa, Lemberg und natürlich nach Israel angeboten. Oft wird das Angebot für ein nicht-jüdische Publikum konzipiert und für einen Juden ist nicht das dabei, was er tatsächlich sucht: Häufig sucht er weniger die jüdischen Spuren in einer Stadt, aber vielmehr das alltäglich „Jüdische" wie jüdische Buchhandlungen, Lebensmittelgeschäfte, Cafés oder Restaurants.

Hier sind einige Beispiele aus dem Westeuropäischen Raum.

Grundsätzlich empfiehlt sich immer ein Besuch der örtlichen Synagoge Freitagabend. In Lissabon befindet sich diese in der Rua Alexandre Herculano 59. Die ganze Gegend um die Rua da Judiaria ist - wie der Name schon sagt - mit der Geschichte der Juden in Portugal verbunden. In der Synagoge „Schaare Tikwa" (Das Tor der Hoffnung) werden jüdische Touristen herzlich empfangen, am Kidduschtisch nach dem Gottesdienst sitzen immer Einheimische und Touristen zusammen und es wird die Geschichte der portugiesischen Juden erzählt: Der Legende nach gab es die ersten jüdischen Siedlungen in Portugal noch zu Zeiten von König Salomon und stolz wird über die jüdisch-portugiesische Tradition berichtet, deren Spuren bis nach Amsterdam (die Familie von Baruch Spinosa stammte aus Portugal) und nach New York (wo die Juden aus Lissabon die ersten jüdische Gemeinde gegründet haben) reichen. Um 1800 siedelten sich immer mehr Juden in Portugal an und die „Schaare tikwa"-Synagoge wurde gebaut. Alles über das jüdische Leben heute in Lissabon kann man hier erfragen.

Weniger familär, aber durchaus empfehlenswert ist ein Besuch der Synagoge im Zentrum von Florenz. Das grandiose Bauwerk ist in der Nähe des großen Doms und heißt desmzufolge auch „Tempio Maggiore" (Großer Tempel). Der Besucher wird Schabbat nach einem kurzen Sicherheitscheck hineingelassen und erstarrt förmlich beim Anblick dieser üppig geschmückten und reich verzierten Synagoge, die immer gut besucht ist. Kaum zu glauben, dass die 1847 errichtete Synagoge bereits zwei mal vollständig zerstört wurde: 1944 durch die Nazis und 1966 während der Überflutung in Florenz. Die damals beschädigten 90 Torarollen wurden vollständig restauriert oder ersetzt. Während der üblichen Museumsöffnungszeiten (außer Schabbat) kann die Ausstellung über die Geschichte der Juden in Italien und Florenz im ersten Stock besichtigt werden. Adresse: Via Farini, 4.

Die beliebtesten Reisezielen an der spanischen Mittelmeerküste sind über das andalusische Malaga – dem Geburtsort von Pablo Picasso zu erreichen. Direkt neben dem neuen Picasso Museum, an der Duquesa De Parcent 8, ist die Jüdische Gemeinde von Malaga, die knapp 900 Mitglieder hat. Etwas weiter östlich, in Marbella, gibt es in der spanischen Kaufhauskette „El Corte Ingles" koshere Lebensmittel. Das Konzept wurde von den französischen Nachbarn und ihren „Galeries Lafayette" kopiert, die vor allem an der Coté d'Azur mit einem reichhaltigen koscheren Lebensmittelangebot aufwarten.

Zurück nach Spanien, wo es in Richtung Cordoba sehr „jüdisch" wird. Bereits im frühen Mittelalter (9. und 10. Jahrhundert) lebten Juden, Muslime und Christen dort friedlich zusammen. Spuren aus jener Zeit sind in der Region noch heute im Stadtbild sichtbar: Zum einen ist die Altstadt gespickt mit Namen, die an bedeutende jüdische Gelehrte erinnern, zum anderen befindet sich mitten in Altstadt ein Denkmal des größten jüdischen-spanischen Religions-Philosophen, Mose ben Maimon (Maimonides), der 1135 in Cordoba geboren wurde.