8. Jahrgang Nr. 7 / 25. Juli 2008 - 22. Tamus 5768

Gegen das Schächt-Verbot

Der Zentralrat der Juden hat sich gegen ein Verbot von Schächtungen ausgesprochen. Generalsekretär Stephan J. Kramer warf der Bundestierärztekammer, die ein solches Verbot gefordert hatte, das Schüren religiöser Vorurteile vor. Tierärztekammer-Präsident Ernst Breitling hatte von „Tierquälerei" gesprochen und gefordert: „Damit muss das Tierschutzgesetz geändert werden." Der Tierschutzgedanke habe im Judentum bereits gegolten, lange bevor es Tierschutzorganisationen gegeben habe. In Deutschland ist für das Schächten eine Ausnahmegenehmigung nach dem Tierschutzgesetz (§4a Nr. 2) nötig. Kramer erklärte, im Judentum sei das Schächten präzise geregelt, nur Ausgebildete seien dazu befähigt. Durch den gezielten Kehlenschnitt verliere das Tier in Sekunden das Bewusstsein. «Wer beim Schächten von entsetzlichen Leiden und Schmerzen der Tiere spricht, aber beispielsweise die Bolzenschuss- oder Elektroschockmethode beim herkömmlichen Schlachten für vertretbar hält, der verspielt jede Seriosität und Glaubwürdigkeit.» Für Kramer gehe es in der aktuellen Diskussion nicht um Tierschutz gegen Religionsfreiheit, sondern Vorurteile gegenüber religiösen Minderheiten und das Kaschieren offensichtlicher eigener Defizite beim Tierschutz durch fragwürdige Schlacht- und Betäubungsmethoden.

Jährlich werden nach Schätzung der Tierärztekammer in Deutschland bis zu 500 000 Schafe geschächtet.

zu/dpa