8. Jahrgang Nr. 7 / 25. Juli 2008 - 22. Tamus 5768

Falsche Freunde

Eine absurde Erscheinung: Neonazis rufen auf, das jüdische Volk zu unterstützen

Von Eldad Beck

Anlässlich der 60-Jahr-Feiern im Mai wurde Israel eine unerwartete Ehre erwiesen: Eine Gruppe deutscher Neonazis gründete eine Organisation, die Israel unterstützt. Am 15. Mai, veröffentlichte eine Gruppe namens "Nationale Sozialisten für Israel" auf dem Internet ein Manifest, das mit folgenden Worten beginnt: "Ein starkes Volk hat es verdient zu leben, ein krankes Volk soll sterben"...

In dem ideologische Manifest bringt die Gruppe ihre Annerkennung gegenüber den Juden und ihrem Überlebenskampf zum Ausdruck und ruft die anderen Strömungen in der neonazistischen Bewegung auf, von ihrem Hass gegen die Juden abzusehen und den Kampf des jüdischen Volkes um eine eigene Heimat zu unterstützen.

"Die Pogrome, die Vertreibungen und die Inquisition sind eine Selbstverständlichkeit", heißt es in dem Manifest. "Dies waren Akte der Selbstverteidigung von bedrohten Völkern. In diesem Zusammenhang muss man auch den sogenannten ,Holocaust' betrachten, jedoch nicht, um diesen zu rechtfertigen. Anstatt die Juden zu vernichten, hätte man die zionistische Bewegung mit allen Mitteln unterstützen sollen." Die Verfasser des Manifests nennen die Führer der NSDAP und ihre Erben, die NPD, "verängstigte und reaktionäre Funktionäre", und üben scharfe Kritik an der Judenvernichtung und der Tatsache, dass Nazideutschland einen Krieg zwischen Deutschland und seinen Nachbarn verursachte. "Aber die Juden existieren noch. Ihre nationale Bewegung, die von mutigen und kämpferischen Gruppen unterstützt wurde, gründete einen Staat und vertrieb fremde Faktoren. Seit 60 Jahren verteidigen nun junge jüdische Frauen und Männer ihr Land vor jedem Feind."

Andere Texte, die auf der Website der Bewegung veröffentlicht wurden, sprechen sich dagegen aus, dass die neonazistische Partei antisemitische Lügen über "internationale jüdische Verschwörungen" veröffentlicht. "Wir fordern: Zeigt uns, ihr Antisemiten, Beweise für die jüdische Kontrolle in Deutschland und in aller Welt! Zeigt uns die Gebäude einer weltweiten zionistischen Regierung, zeigt uns, wo die jüdische Presse ihren Sitz hat."

Andererseits beinhalten die Texte jedoch auch Angriffe gegen bekannte jüdische Persönlichkeiten in Deutschland, darunter die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, die, wie es in dem Manifest heißt, "Angst hat, ihr Glück in Israel zu versuchen". Weiter heißt es auf der Website, am 25. Mai habe es in Berlin eine erste Mitgliederversammlung gegeben, und auf der Tagesordnung hätten "inhaltliche Debatten über Themen wie die Solidarität mit Israel, Antisemitismus, Kritik am Kapitalismus und Maßnahmen gegen die zunehmende islamische Präsenz in Deutschland im Besonderen und in Europa im Allgemeinen" gestanden.

Bei der Versammlung wurde beschlossen, eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit einzurichten. Außerdem wurden auch bereits eigene Sticker in ganz Berlin verteilt. Auf einem Sticker sind israelische Soldaten abgebildet, die eine israelische Fahne tragen, und darunter heißt es: "2000 Jahre Überlebenskampf. Ehre, wem Ehre gebührt." Auf einem anderen ist das Bild von Reinhard Heydrich zu sehen, der "trotz seiner jüdischen Herkunft für die 'Endlösung' verantwortlich war", und dazu der Text: "Als Nationalsozialist bin ich Zionist."

Experten, die die Aktivitäten der radikalen Rechten in Deutschland verfolgen, wissen bisher wenig über die Identität der neuen Gruppe. Zum einen vertreten sie die Meinung, es handle sich um eine Provokation von radikalen Linken und Arabern, die Israel schaden wollen. Zum anderen könnte es sich tatsächlich um eine authentische Gruppe handeln. "Am Rand der neonazistischen Bewegung gab es immer politische Strömungen, die Israel aus diversen ideologischen Gründen unterstützten, aber dabei handelt es sich um eine sehr kleine Minderheit", sagt Antje Kahana, die dem Fonds für den Kampf gegen die radikale Rechte vorsteht. "Die Tatsache, dass sie Israel befürworten, schließt nicht aus, dass sie antisemitisch sind. Sie glauben an reine Nationen, die sich vor äußeren Bedrohungen schützen, und wenn die Juden sich so verhalten, dann ist das in ihren Augen gut. Sie versuchen zweifelsohne, innerhalb der neonazistischen Bewegung eine Provokation herzustellen."

Der Gesandte an der Israelischen Botschaft in Berlin, Ilan Mor, reagierte schockiert auf die neuen Befürworter Israels: "Gott behüte uns vor solchen Freunden! Mit unseren Feinden werden wir schon fertig. Wir brauchen die Hilfe solcher Leute nicht. Das ist völlig absurd."