8. Jahrgang Nr. 6 / 27. Juni 2008 - 24. Siwan 5768

Religion ist sein Lebensmittelpunkt

Rabbiner im Portrait: Yaron Engelmayer und seine Frau arbeiten in der Aachener Gemeinde eng zusammen

Seinen 32. Geburtstag feierte er in Aachen, denn dort ist Yaron Engelmayer Rabbiner und dort will er es auch bleiben. Die Arbeit mache ihm großen Spaß, sagt er. 1400 Mitglieder hat seine Gemeinde, die sich auch auf das Umland erstreckt. Aachen sei eine „orthodox geführte" Gemeinde, beschreibt der Rabbiner das nicht immer einfache Miteinander der Juden in Aachen. Aber er ist insgesamt sehr zufrieden. Dabei hat Engelmayer nicht immer so genau gewusst, was ihm beruflich wirklich Spaß machen würde, und mit welcher Aufgabe er sein leben verbringen wolle. Nach dem Abitur ist der gebürtige Züricher nach New York gegangen, hat kreuz und quer studiert. „Ein halbes Jahr ging das so", sagt er. IT, Computerwissenschaften, Mathematik, Wirtschaft – nichts, was seinen Neigungen entsprach, habe er ausgelassen, und dennoch wurde er nicht glücklich. Was ihm am Ende gefehlt hat, bemerkt er später, in Israel. Dort besucht er eine Yeschiwa. Religion wird sein Lebensmittelpunkt. Wie schon sein Großvater, wird Engelmayer schließlich Rabbiner.

Das überrascht nicht wirklich, ist er doch in einem orthodoxen Haushalt aufgewachsen. Schon als Jugendlicher nahm er die unterschiedlichsten Angebote der jüdischen Gemeinde seiner Heimat gerne wahr. Seine Eltern – die Mutter Laborantin und Arzthelferin, der Vater Rechtsanwalt – unterstützen den Jungen in seinen Bestrebungen, der Religion näher zu kommen. „Ich bin zionistisch, aber gleichzeitig sehr weltoffen erzogen worden", sagt Engelmayer heute. Neben der Religion lebt er als Jugendlicher für den Sport: Fußball, Handball, Basketball, Hockey, Schwimmen, Squash und Fahrradfahren – Engelmayer liebt die Bewegung.

In Israel dient Engelmayer, der neben der schweizerischen auch die israelische Staatsbürgerschaft besitzt, auch in der Armee. „Für mich ist das Militär eine der Grundlagen der Existenz Israels", erklärt der Reservist der Fallschirmspringer sein Engagement. Nach seiner Ausbildung in Israel geht Engelmayer zurück ins deutschsprachige Europa. In Frankfurt arbeitet er bei Lauder und unterrichtet unter anderem Hebräisch. Bei Lauder lernt er auch seine Frau Chana kennen, die im Alter von 12 Jahren als Kontingentflüchtling aus Tadschikistan nach Deutschland kam. Chana Engelmayer ist heute 28 Jahre alt. Sie unterstützte ihn sehr bei seiner Arbeit, sagt der Rabbiner: „Meine Frau ist mir immer zur Seite, sie berät mich, gibt mir viele Denkanstöße, die sich wunderbar verwirklichen lassen." Das Paar hat zwei Kinder, die Söhne Zvi und Eytan, die vier und zwei Jahre alt sind. Engelmayers eigene Geschwister sind ihrer zionistischen Erziehung gefolgt und leben heute in Israel – alle drei haben dort Familien gegründet.

Für Arbeit in Deutschland sei er wegen seiner Muttersprache prädestiniert, sagt Engelmayer. „Hier gibt es noch viel Potential zur Verbesserung", sagt er. Die Möglichkeit, Dinge zu verbessern, reizt ihn. Die Zuwanderung sieht Engelmayer dabei als eine der größten Herausforderungen. Außerdem belasteten ihn der laxe Umgang mit Antisemitismus hierzulande, so wie die anhaltende Kritik an Israel. „Damit befasse ich mich aber nur am Rande", erklärt er. Stattdessen versuche er, das Verhältnis nach außen aus der Gemeinde heraus „positiv zu stärken", zum Beispiel indem er seine Gemeinde bei gesellschaftlichen Anlässen angemessen repräsentiere.

jb