8. Jahrgang Nr. 6 / 27. Juni 2008 - 24. Siwan 5768

Wo wieder jüdisches Leben entsteht

Gemeinden in Herford-Detmold, Mainz und Speyer stellen Pläne für neue Synagogen und Gemeindezentren vor

Ende Mai fand der erste Spatenstich für die Errichtung der neuen Synagoge und des neuen Gemeindezentrums für die Jüdische Gemeinde Herford-Detmold statt. Etwa 1,7 Millionen Euro wird der Baukomplex kosten, getragen jeweils zu einem Drittel von den Städten Detmold und Herford, dem Land Nordrhein-Westfalen und der jüdischen Gemeinde. Bis auf 40.000 Euro habe die Gemeinde ihren Anteil hauptsächlich aus Spenden vor allem aus der lokalen Wirtschaft aufgebracht, erklärte ihr Vorsitzender Harry Rothe. „Wir wollen einen kulturellen Raum schaffen und auch für die Nachbargemeinden Minden, Paderborn und Bielefeld eine Anlaufstelle sein", sagte er. Gebaut werde die neue Synagoge am Platz des 1939 zerstörten Gemeindezentrums in der Herforder Innenstadt. Am Gewölbe des Betsaals solle mit Laserstrahlen der Sternenhimmel abgebildet werden, wie man ihn zum jüdischen Neujahr Rosch Haschana von Jerusalem aussieht.

In Mainz wurden im vergangenen Monat Pläne für eine neue Synagoge vorgestellt. Der geplante Neubau soll nach dem Willen des Architekten Manuel Herz an die lange Tradition jüdischer Kultur und Geschichte in Mainz erinnern. Beim Entwurf habe er sich stark auf die Geschichte des jüdischen "Magenza" (Mainz) bezogen, sagte Herz. In Mainz habe um das Jahr 1000 der Rabbi Gerschom bar Jehuda, einer der prägenden Vertreter des modernen Judentums, gelebt. Mainz sei in dieser Zeit ein Zentrum des Lehrens, Forschens und des Schreibens gewesen. "Ich nutze Aspekte der Schrift, um dem Gebäude seine Form zu geben", sagte der Architekt.

In Mainz soll 70 Jahre nach der Zerstörung der früheren Hauptsynagoge der Stadt durch die Nazis, am 9. November 1938, am selben Ort wieder eine Synagoge für die jüdische Gemeinde entstehen. Für den 9. November 2008 ist nun der erste Spatenstich für das Zehn-Millionen-Euro-Projekt geplant. Geplant ist neben der Synagoge auch ein Gemeindezentrum mit einem großen Saal für Konzerte und Veranstaltungen, einem Café im Foyer sowie Räumen für eine bedeutende Buchsammlung des jüdischen Mainz.

Auch in Speyer entsteht ein neues jüdisches Zentrum: Sieben Jahrzehnte nach ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten wird in Speyer eine Synagoge mit jüdischem Gemeindezentrum wiedererrichtet. Wie die rheinland-pfälzische Staatskanzlei Anfang Juni mitteilte, stehen die Verhandlungen zwischen Land und Stadt kurz vor dem Abschluss. "Mit dem Bau kann bald begonnen werden", sagte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) laut Mitteilung. Die neue Synagoge mit Gemeindezentrum soll für rund 2,5 Millionen Euro auf dem Gelände einer ehemaligen Kirche entstehen. Die Jüdische Kultusgemeinde stemmt von den Kosten etwa 750 000 Euro, die restliche Summe teilen sich je zur Hälfte das Land und die Stadt Speyer.

dpa/zu