8. Jahrgang Nr. 6 / 27. Juni 2008 - 24. Siwan 5768

Experten fordern Beauftragten für Antisemitismus

Sachverständige haben bei der Bundestagsanhörung Mitte Juni einen Bundesbeauftragten für Antisemitismus und einen jährlichen Bericht zur Judenfeindlichkeit in Deutschland gefordert. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, plädierte für die Einsetzung eines «Bundesbeauftragten gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit». Zudem solle der Bundestag einen jährlichen Bericht zu diesem Themenfeld vorlegen. Ähnlich äußerte sich Deidre Berger vom American Jewish Comittee. Der Publizist Henryk M. Broder rief dazu auf, stärker den «modernen Antisemitismus im Kostüm des Antizionismus» in den Blick zu nehmen.

Diesen gebe es auch in den Reihen des Bundestages, sagte er und verwies auf außenpolitische Stellungnahmen aus der Linksfraktion. Der moderne Antisemit verehre Juden, die seit 60 Jahren tot seien, nehme es aber lebenden Juden übel, wenn sie sich zur Wehr setzten. Umstritten blieb bei der Anhörung des Innenausschusses, ob der Antisemitismus in Deutschland «in der Mitte der Gesellschaft» sei. Broder sprach von einem «freischwebenden antisemitischen Potenzial», Deutschland sei aber keine antisemitische Republik.
zu/kna