4. Jahrgang Nr. 12 / 23. Dezember 2004 - 11. Tewet 5765

Jakob und seine Söhne

Von Rabbiner Dr. Joel Berger, Stuttgart

Das erste Buch Moses endet mit dem Tod unseres dritten Erzvaters, Jakob (1.B.M. 49:28). Am Sterbebett hatte sich die ganze Familie versammelt. Seine letzten Jahre hatte er in Ägypten in Wohlergehen verbracht. Doch Jakob will nicht in diesem Land begraben werden. Sein Wunsch ist es, im heiligen Land - in der Höhle von Machpela bei Chewron - seine letzte Ruhe zu finden. An jener Stätte, die einst von Abraham für die ganze Sippe gekauft worden war. Sohn Josef verspricht natürlich, diesen letzten Wunsch seines Vaters zu respektieren.

Vor seinem Tode rief der Patriarch noch ein letztes Mal seine Kinder zusammen. Er segnet sie - eines nach dem anderen. Der Midrasch, die rabbinische Exegese, meint zu wissen, dass Jakob nun auch die letzten Geheimnisse kundtun wollte: Er wollte mitteilen, wann die Erlösung heran brechen werde. Der „Ruach hakodesch“, der“ heilige Geist“, verließ ihn jedoch noch bevor er seine Geheimnisse lüften konnte. So blieb es schließlich beim Segnen seiner zwölf Kinder. Zu allen Kindern spricht er trostreiche, in die Zukunft weisende Worte. Lediglich bei den Söhnen Simon und Levi macht er eine Ausnahmen, ihnen kann er ihre einstige Gewalttätigkeit gegenüber den Hettitern in Sch’chem - dem heutige Nablus - nicht verzeihen: „Simon und Levi, die Brüder, Werkzeuge der Gewalt sind ihre Messer, in ihren Kreis komme meine Seele nicht…“ ( 1.B.M. 49: 5-6)

Dagegen wird Jehuda in den höchsten Tönen gelobt und gewürdigt: „(Wie) ein junger Löwe bist Du… Das Szepter weicht nicht von Jehuda...“(49: 9-10). Dies bedeutet mit anderen Worten, dass jener Stamm die Regierenden des jüdischen Landes stellen wird. Schließlich ist diese Prophezeiung durch die Herrschaft des Hauses David – einem Angehörigen des Stammes Jehuda - tatsächlich eingetreten und symbolisiert für uns bis heute die messianischen Hoffnungen und Erwartungen. Für das jüdische Volk bedeutet die Legitimität des Messias, dass der Erlöser aus dieser Dynastie entstammen wird.

Sichtbare Symbole dieses jüdischen Messianismus sind in den Synagogen - trotz des Bildverbotes - die Darstellungen des Löwen an unterschiedlichsten Stellen.

Der Löwe Jehudas in der Heraldik (in der Wappenkunde), in den Staatswappen und Symbolen moderner Staaten, wie z.B. im Wappen Großbritanniens, symbolisiert das Gefühl der Zugehörigkeit zum biblischen Volk, welches die Engländer auch durch die Darstellung des Löwen zum Ausdruck bringen wollten.