4. Jahrgang Nr. 12 / 23. Dezember 2004 - 11. Tewet 5765

Erfolgsgeschichte aus Heidelberg

Hochschule für Jüdische Studien feierte ihr 25-jähriges Bestehen mit großem Festakt

Mit aller Kraft müsse gegen den «leider immer noch virulenten Antisemitismus» gekämpft werden, forderte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg am 30. November. «Wir alle müssen wachsam bleiben und entschlossen allen Anwandelungen von Antisemitismus und Intoleranz entgegentreten», mahnte Schily. Die 1979 gegründete Hochschule für Jüdische Studien fördere ein friedliches Zusammenleben, weil dort Juden und Nichtjuden zusammenkämen und voneinander lernten. Der Rahmen für den Festakt der wissenschaftlichen Institution war denn doch sehr gediegen: In der altehrwürdigen Aula der 1386 gegründeten Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg kamen zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft zusammen.

Neben dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, und dessen Stellvertreter, Salomon Korn, waren auch Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg, Universitätspräsident Prof. Dr. Peter Hommelhoff, Prorektor der Hochschule, Prof. Dr. Manfred Oeming, und Oberbürgermeisterin Beate Weber gekommen.

Die vom Zentralrat der Juden in Deutschland getragene Hochschule ist gewiss die bedeutendste jüdisch-akademische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Und das sei, so Schily, ein freudiges Ereignis, denn die Hochschule bereichere nicht nur die jüdische Kultur, sondern auch das akademische Leben in Deutschland. Das Fächerangebot umfasst die Bibel, den Talmud, Hebräisch, Geschichte, Literatur, Philosophie, Kunst und Religionspädagogik. Neben einem Magister in «Jüdischen Studien» können Studenten auch eine Ausbildung zum jüdischen Religionslehrer und eine Grundausbildung zum Rabbiner machen. Derzeit sind 166 Studenten eingeschrieben, zwei Drittel davon sind nicht jüdisch.

Salomon Korn unterstrich in seiner Festrede erneut, die integrative Bedeutung der jüdischen Hochschule. Nach der großen Zuwanderungswelle von Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sei der Bedarf der Jüdischen Gemeinden an akademisch ausgebildeten deutschsprachigen Religionslehrern und Rabbinern deutlich gestiegen. Mit Hilfe eines Stipendiums versuche der Zentralrat der Juden besonders jene jungen jüdischen Menschen in ihrer akademischen Entwicklung zu fördern. Dr. Doron Rabinivici hielt schließlich den Festvortrag, bei dem er das Judentum mit einem Kaleidoskop verglich, das jederzeit sein Muster und seine Farbenpracht verändere.

dpa/zu