8. Jahrgang Nr. 5 / 30. Mai 2008 - 25. Ijar 5768

Dreieinhalb Jahre für Angriff auf Rabbiner

Im Prozess um die Messerattacke auf einen Frankfurter Rabbiner ist der Angeklagte zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Frankfurter Landgericht sprach ihn der gefährlichen Körperverletzung für schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte eine vierjährige Haftstrafe gefordert, der Rechtsanwalt des Rabbis fünf Jahre und acht Monate wegen Totschlags. Die ursprüngliche Anklage wegen versuchten Totschlags war fallengelassen worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann den orthodoxen jüdischen Geistlichen nicht töten wollte. Der angeklagte Muslim Sajed A. hatte gestanden, den 43-jährigen orthodoxen Juden am 7. September 2007 auf offener Straße in Frankfurt in den Bauch gestochen zu haben. Der Beschuldigte berief sich auf Notwehr und sagte, er sei von dem Rabbiner bedroht worden. Der als Nebenkläger am Prozess beteiligte Rabbiner Zalman Gurevich bestritt dies jedoch. Nach seiner Aussage hatte Sajed A. ihn antisemitisch beleidigt und tätlich angegriffen. Rabbiner Gurevich überlebte den Messerstich in seinen Unterleib nach einer Notoperation. Der Fall hatte bundesweites Aufsehen und eine Diskussion um vermeintliche «No-Go-Areas» für Juden in deutschen Städten ausgelöst. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt und Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, zeigte sich verwundert über das aus seiner Sicht milde Urteil: „So „können Nachahmungstäter in Zukunft auf ähnlich milde Urteile hoffen".

dpa/zu