8. Jahrgang Nr. 5 / 30. Mai 2008 - 25. Ijar 5768

Ben-Zeev: Wir sind nicht allein

Wir feiern 60 Jahre Israel, das ist in der Geschichte nur ein kurzer Abschnitt. Doch wir sehen diese Jahre als ein Kontinuum der Geschichte der Menschheit, denn der israelische Staat ist eine Mischung aus zwei Kapiteln: aus der Geschichte unserer Vorfahren und aus der Moderne […] Für die deutsch-israelischen Beziehungen ist die Vergangenheit sehr wichtig. Unsere beiden Völker wissen um ihre Bedeutung, um die Tage, als Deutschland die Juden vertrieb und dann ermordete. Doch Schuld und Zorn sind keine guten Instrumente, um unsere Beziehungen zu gestalten, schon gar nicht für die junge Generation beider Völker.

[…] Bei den Worten der Kanzlerin (in der Knesset) habe ich gesehen, wie nah unsere Politik und Ideologie sind. W ir nehmen die Dinge durch die gleiche Brille wahr. Sie in Deutschland und wir in Israel achten die Menschenwürde. Wir haben gemeinsame Ziele wie Sicherheit, Frieden, Bildung, Kultur und die Wissenschaft. Daher möchte ich dem deutschen Volk sagen: Wir vergessen die Vergangenheit nicht, das jüdische Gedächtnis vergisst nicht. Das ist unser Erbe der Geschichte. Doch wir wissen auch, wer unsere Freunde sind. Und Deutschland ist ein sehr wichtiger Partner.

[…] I ch möchte von hieraus zu unseren palästinensischen Nachbarn sagen: Wir strecken unsere Hand zum Frieden aus. Wir sind nicht euer Feind. Euer Feind sind Hunger, Armut, Radikalismus und Fanatismus. Lasst uns also zusammen arbeiten und die Probleme lösen. Unsere Kinder und eure Kinder brauchen Frieden und Bildung und eine gute Wirtschaft. Krieg und Blut können sie nicht brauchen.

[…] Wir haben unsere Leistungen erzielt durch schwere Arbeit, mit Schweiß und viel Blut. Auch heute ist die Situation schwierig. Doch nach den Worten der Bundeskanzlerin in der Knesseth und nach meinen fünf Monaten als Botschafter weiß ich: Wir sind nicht allein. Deutschland und Sie sind an unserer Seite und dafür möchte ich Ihnen und jedem deutschen Bürger danken.