8. Jahrgang Nr. 5 / 30. Mai 2008 - 25. Ijar 5768

Knobloch: Der Traum wurde wahr

…es ist mir Freude und Ehre zugleich, Sie im Namen des Zentralrats der Juden in Deutschland zum Festakt anlässlich des 60. Geburtstags des Staates Israel begrüßen zu dürfen…

Rund 1800 Jahre nachdem der Zweite Tempel in Jerusalem zerstört wurde und damit das Leid des heimatlos gewordenen jüdischen Volkes in der Diaspora begann, haben die ersten Olim die Sehnsucht nach Zion in eine zu verwirklichende Möglichkeit umgewandelt und mit der eigenen Hände Arbeit umgesetzt.

Nicht zuletzt aus diesem Grund ist Israel auch für uns, die wir hier in der Diaspora leben, von ganz besonderer Bedeutung. Denn der jüdische Staat ist nicht nur ein Rettungshafen, für den Fall neuerlicher Ausgrenzungen und Diskriminierungen.

Nein. Dieses Land ist weit mehr als das: Es symbolisiert den Sieg jüdischer Ethik über den Rassenwahn der Nationalsozialisten.

Gewiss: Die Situation im Nahen Osten, die permanente Bedrohung durch Terroristen und Terrorstaaten sowie der Zwang zur Verteidigung machen es nicht immer einfach, an einer Kultur des Friedens festzuhalten.

Und dennoch: Bei all seinen Handlungen achtet der jüdische Staat das Völkerrecht, die Menschenrechte und verbürgt sich dafür, all seinen Bürgern – auch den nichtjüdischen – ohne Unterschied von Religion, Rasse oder Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung zu gewährleisten.

Die Geschichte hat dem jüdischen Staat einen schweren Kampf auferlegt.

Doch – und ich zitiere Albert Einstein – „solange wir ergebene Diener der Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit bleiben, werden wir nicht nur fortbestehen als ältestes der lebenden Völker, sondern in produktiver Arbeit Werte schaffen, die zur Veredelung der Menschheit beitragen."

Wir wollen deshalb hoffen, dass auf 60 Jahre Unabhängigkeit endlich auch eine Ära des Friedens folgt. Denn genau das ist es, was sich die Menschen im Nahen Osten so sehnlich wünschen.