4. Jahrgang Nr. 11 / 26. November 2004 - 13. Kislev 5765

CHANUKKA – das Lichterfest 5765/ 2004

Von Rabbiner Dr. Joel Berger, Stuttgart

Die Lichter, die wir zu Chanukka acht Tage lang mit Segenssprüchen und Gesängen anzünden, erinnern uns an den Kampf der Makkabäer im 2. Jahrhundert vor der Zeitrechnung. Die Söhne des alten Priesters Matitjahu und ihre Anhänger aus dem einfachen Volk wollten ihre jüdische Lebensart, die sich aus den Geboten der Tora ergibt, in ihrem Heimatland sichern. Aber die aus dem damaligen Syrien stammenden hellenistischen Eroberer des Heiligen Landes führten judenfeindliche Gesetze ein und untersagten den Juden strikt, nach ihren althergebrachten Geboten zu leben. Sie entführten jüdische Kinder, um sie zu hellenistischen Kämpfern zu erziehen. Sie raubten nicht nur die Güter der jüdischen Einwohner, sondern schreckten auch nicht vor dem Heiligtum der Israeliten in Jerusalem zurück. Sie brachen in den Tempel ein und plünderten seine goldenen und silbernen Kultgegenstände. Außerdem verunreinigten sie durch das Aufstellen von griechischen Götzenbildern und Statuen den heiligen Tempel.

Ein ähnlich brutales Vorgehen hatte es im Heiligen Land seit der Unterwerfung durch das Babylonische Reich von Nebukadnezar nicht mehr gegeben. Im Gegenteil. Die Griechen, insbesondere Alexander der Große, sind den Juden, ihrem Land und ihrer Religion mit großem Respekt und gebührender Toleranz begegnet. Aus dieser respektvollen Begegnung zweier bedeutender Kulturen der Antike erwuchsen zahlreiche große Werke. Daher traf die Brutalität der syrischen Eroberer und Plünderer die Israeliten völlig unvorbereitet. Das gesamte Volk, außer einigen kollaborierenden Juden, hat schweres Leid auf sich nehmen müssen.

Die rettende Hilfe kam von den Söhnen der Priesterfamilie der Haschmonäer. Sie führten den bewaffneten Kampf gegen die Eindringlinge und es wurde zum Sieg einer kleinen Minderheit über eine große und bewaffnete Mehrheit. Als eine Vollendung ihres Freiheitskampfes wollten eben jene Makkabäer den Tempel von Jerusalem und den Altar wieder ihrer Bestimmung übergeben.

Jedoch, als sie den Tempel von den Götzenbildern gereinigt hatten, fanden sie nur ein kleines Krüglein Öl, das für einen Tag gereicht hätte, um die Menora, den Tempelleuchter zu entzünden. Dennoch brannte das Licht acht Tage lang. So lange dauerte es nämlich, bis man reines Olivenöl herstellen konnte. Aus Freude über den wieder eingeweihten Tempel ordneten die damaligen Gelehrten an: Jedes Jahr acht Tage lang Lichter anzuzünden und die biblischen Lobgesänge der Psalmen ertönen zu lassen. Diese Tage wurden „Channukat Hamisbeach“, das heißt Wiedereinweihung des Altars, genannt.

Unsere Weisen aber wollten nicht den Sieg oder die Helden in den Mittelpunkt der Gedankenwelt des Chanukkafestes stellen, sondern vielmehr das Wunder. Siege oder Niederlagen der Heeresführer werden in Vergessenheit geraten. Die Lichter der Menora, die acht Tage lang Licht in die Dunkelheit strahlen, die Freude des Überlebens verbreiten - sie sind jedoch unendlich tief in unserer Seele verankert.