8. Jahrgang Nr. 4 / 25. April 2008 - 20. Nissan 5768

Ensemble aus Alt und Neu

Grundsteinlegung für Neubaukomplex der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg in der Altstadt

Als „Meilenstein für die jüdische und die akademische Gemeinschaft in Deutschland" wurde Anfang April die Grundsteinlegung eines Neubaus in der Heidelberger Altstadt gefeiert. In der Landfriedstraße baut die Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) einen Neubau, der „für die geistige und architektonische Weiterentwicklung der Hochschule als europäisches Zentrum für Jüdische Studien steht". Der Zentralrat der Juden in Deutschland, der Träger der 1979 gegründeten Hochschule ist, feiert die Neubaupläne als „historischen Schritt". "Der Neubau verbindet die Tradition jüdischen Lernens und Lehrens mit der Zukunft - auch baulich", sagte die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, bei der Grundsteinlegung. Damit werde Geschichte geschrieben. "Die Hochschule ist nicht nur ein Kompetenzzentrum, sondern auch eine Stätte der Wiederannäherung zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Deutschen", betonte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Er sagte der europaweit einzigartigen Einrichtung zur Erforschung jüdischer Kultur, Geschichte und Religion eine großzügige Unterstützung zu. "Ich bin sicher, die Bedeutung wächst mit dem Neubau weiter an."

Entworfen von dem Heidelberger Architekturbüro Maier und Partner können durch den Neubau erstmals alle Hörsäle, Bibliothek, Rektorat, Verwaltung sowie die koschere Mensa und das Zentralarchiv unter ein Dach gebracht werden. Im Zusammenspiel mit dem älteren Sandsteingebäude aus der Gründerzeit auf demselben Grundstück, das die Hochschule zur Zeit nutzt, soll ein spannungsvolles „Ensemble aus Alt und Neu" entstehen, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft architektonisch verbindet. Das Stahlbetonskelett mit Glasfassaden beendet ein 30jähriges räumliches Provisorium und ersetzt die vier derzeitigen Standorte, die in der Altstadt verteilt sind . Im hinteren Bereich des Grundstücks ist ein Gewölbekeller erhalten, der einst zum Turnierhaus gehörte und in Zukunft für die koschere Mensa genutzt wird. Der Architekt Hansjörg Maier plant ein dreistöckiges Haus in schlichter, klarer Formensprache. Die Sockel werden mit Naturstein verkleidet, der Bezug auf die Sandsteinfassaden der alten Villa nimmt. Schließlich wird der Neubau der jüdischen Hochschule einer der wenigen modernen Bauten in der Heidelberger Altstadt sein.

Der 4,5 Millionen Euro teure Neubau soll schon zum 30. Jahrestag der HfJS 2009 eingeweiht werden. Die Finanzierung des Neubaus wird zu je einem Drittel vom Bund, dem Land Baden-Württemberg sowie dem Zentralrat der Juden übernommen. um