8. Jahrgang Nr. 4 / 25. April 2008 - 20. Nissan 5768

Nachrichten

Prozess um Messerangriff auf Rabbiner begonnen

Im Prozess um die Messerattacke auf den Frankfurter Rabbiner Zalman Gurevich hat der Angeklagte Sahed A. die Tat teilweise gestanden. Er habe das Messer gezückt, um einen Angriff seines Gegenübers abzuwehren, sagte der 23 Jahre alte Deutschafghane zum Prozessauftakt vor dem Frankfurter Landgericht. Gleichzeitig wies er aber den Vorwurf zurück, den Geistlichen als "Scheiß-Juden" beschimpft und mit dem Tode bedroht zu haben. Der Muslim ist wegen versuchten Totschlags angeklagt, nach Angaben des Gerichts muss er aber möglicherweise mit einer Verurteilung wegen versuchten Mordes rechnen. Am 7. September 2007 will Sahed A. "wie immer" ziemlich bekifft gewesen sein. Er habe vier oder fünf Joints geraucht, bevor er dem Rabbiner begegnete. Vor Beginn seiner Aussage entschuldigte sich der berufslose Angeklagte bei seinem Opfer. Der Geistliche überlebte den Messerstich dank einer Notoperation. dpa/zu

Unternehmer sponsert Umbau

Der Essener Schuhunternehmer Heinz- Horst Deichmann will den Umbau der Alten Synagoge zu einem „Haus jüdischer Kultur" mit 500.000 Euro unterstützen. Das Projekt liege ihm besonders am Herzen, weil er 1938 als Kind selbst die Zerstörung des Gebäudes durch die Nationalsozialisten in der „Reichspogromnacht" erlebt habe, sagte der 81-Jährige: „Wir saßen damals im Keller und haben gehört, wie sie über uns Fenster einschlugen. In derselben Nacht brannte die Synagoge." Die Kosten des Umbaus von insgesamt 7,4 Millionen Euro trägt zu 80 Prozent das Land Nordrhein- Westfalen. Rund 1,5 Millionen Euro sollen private Sponsoren beisteuern. dpa

Pilotprojekt soll älteren Zuwanderern helfen

Jüdische Senioren aus Russland sollen besser integriert werden. In einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt sollen die Integrationschancen von jüdischen Zuwanderern in Schleswig Holstein verbessert werden. Nach Informationen der Lübecker Nachrichten wird der Schwerpunkt nicht nur in einer altersgerechten Spracherziehung liegen, vielmehr sollen die jüdischen Zuwanderer auch mit dem Alltag in Deutschland besser vertraut gemacht werden. „Die Senioren sollen ihre Unsicherheit im Umgang mit der deutschen Sprache und den deutschen Behörden ablegen", erklärte Sonja Kanuschien von der Jüdischen Gemeinde Lücke gegenüber der Presse. dill

Erneut antisemitische Schmähungen auf Fußballplatz

Mitglieder des jüdischen Turn- und Sportvereins Makkabi Berlin wurden Anfang April erneut zur Schielscheibe antisemitischer Schmähungen. Nach Angaben der Polizei zeigte nach Abpfiff des Verbandsligaspiels gegen den Adlershofer BC ein Zuschauer den „Hitlergruß" und rief Nazi-Parolen. Ein anderer Mann habe die Betreuerin des TuS Makkabi als „Scheiß-Jüdin" bezeichnet. „Die Leute denken nicht nur antisemitisch, sondern sie zeigen es auch lautstark", bewertete Tuvia Schlesinger, Vorsitzender des Vereins, die Vorfälle im Berliner Tagesspiegel. dill