8. Jahrgang Nr. 4 / 25. April 2008 - 20. Nissan 5768

Peinlicher Streit um den „Zug der Erinnerung“

Der «Der Zug der Erinnerung», der eigentlich an deportierte Kinder erinnern soll und der die Geschichte der europäischen Deportationen anhand einzelner Biografien erzählt, ist während seiner knapp zehntägigen Station Mitte April in Berlin zum Politikum geworden. Statt sich mit den ergreifenden Schicksalen der Deportation zu beschäftigen und den deportierten Kindern und Jugendlichen wieder ein Gesicht zu geben, wurde über Trassengebühren und Haltemöglichkeiten und -kosten gestritten. Es war ein lächerliches und absurdes Hickhack, das sich die Deutsche Bahn AG mit den Initiatoren und Trägern des Projektes lieferte. Die Reichsbahn, einer der Vorläufer der Deutschen Bahn, war an den Deportationen während des NS-Regimes entscheidend beteiligt gewesen. Bei dem aktuellen Streit in der Hauptstadt ging es vor allem um einen Stopp am Berliner Hauptbahnhof, den die Deutsche Bahn verhinderte. Stattdessen hielt die rollende Ausstellung am Berliner Ostbahnhof, in Lichtenberg, Schöneweide, am Westhafen und Bahnhof Grunewald. Bislang haben bereits rund 160 000 Menschen in europaweit 50 Stationen die Ausstellung gesehen. Nach Berlin ging es unter anderem nach Potsdam, Cottbus und Dresden, bevor der Zug am 8. Mai in Auschwitz ankommen soll. Während des Holocaust wurden schätzungsweise rund drei Millionen Menschen mit der Reichsbahn in Konzentrations- und Vernichtungslager gebracht.
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