8. Jahrgang Nr. 4 / 25. April 2008 - 20. Nissan 5768

Mazel Tov und viel Erfolg

60 Jahre Israel – Nach seiner Gründung 1948 hat sich das Land schnell zu einem starken und modernen Staat entwickelt. Das ist historisch einmalig. An Herausforderungen mangelt es aber auch künftig nicht

Zukunft 8. Jahrgang Nr. 4
Zukunft 8. Jahrgang Nr. 4

Von Wladimir Struminski

Sechzig Jahre Israel. Längst ist der jüdische Staat Teil des Alltags. Ob Verwandte aus Jerusalem anrufen, man sich selbst in den Flieger nach Tel-Aviv setzt oder auch nur die Zeitung liest: Israel ist immer dabei. Und dennoch: Ganz alltäglich ist die Erfolgsgeschichte, die Israel seit seiner Gründung geschrieben hat, wahrlich nicht. Ganz im Gegenteil: Die Erfolge der Israelis beim Aufbau ihres Landes suchen historisch ihresgleichen. Da sind sechzig Jahre ein guter Anlass für eine Bilanz und einen Rückblick.

Zuallererst: Dass Israel an seinem sechzigsten Geburtstag ein starker und moderner Staat sein würde, war am 5. Ijar 5708 (14. Mai 1948) keine Selbstverständlichkeit. Bei ihrer Geburt war Medinat Israel nicht nur klein und bettelarm, sondern musste, sozusagen aus der Wiege, ums physische Überleben kämpfen. Nur Stunden, nachdem sie die frisch gewonnene Souveränität gefeiert hatten, hieß es für die Israelis: An die Front. Der im Unabhängigkeitskrieg gegen die angreifenden arabischen Staaten errungene Sieg wurde unter großen Opfern erkämpft und hing oft genug am seidenen Faden.

Es folgen Jahre, in denen sich das Land einer auf den ersten Blick kaum zu bewältigenden Aufgabe sah: die bis dahin rudimentäre Wirtschaft zu entwickeln, eine moderne physische und wissenschaftliche Infrastruktur aufzubauen und sich der nach wie vor nach Israels Vernichtung trachtenden Feinde zu erwehren. Gleichzeitig galt es, einen gewaltigen Zustrom von mittellosen Einwanderern aus Europa und dem Nahen Osten aufzunehmen: Innerhalb des ersten Jahrzehnts hat sich die bei der Staatsgründung im Lande lebende jüdische Bevölkerung durch die Massen-Alijah verdreifacht. Da bedeutete für die Israelis: ein bescheidenes und sparsames Leben ohne Luxus. Das Leben der Israelis war zunächst spartanisch, bis hin zur Rationierung von Lebensmitteln. Aber sie hielten durch. Heute gehört Israel zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Ländern der Welt. Der Lebensstandard liegt nicht allzu weit unter dem deutschen. Die Konjunktur wird von einem High-Tech-Sektor angetrieben, der weltweit seinesgleichen sucht. Israel nimmt als vollberechtigter und geschätzter Partner an internationalen Forschungsprogrammen wie etwa der Entwicklung des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo teil. Und selbst der Amtssitz von Königin Elisabeth II. wird mit Hilfe von Sicherheitselektronik aus dem ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina bewacht.

Nicht minder wichtig war der Aufbau der Staatsinstitutionen. Wohl wahr: In der Diaspora hatten Juden wichtige Erfahrungen in Selbstverwaltung und kultureller Autonomie gesammelt. Das kam ihnen nach 1948 zugute. Der große Unterschied: Diesmal galt es, einen ganzen Staat aus dem Boden zu stampfen und die alleinige Verantwortung für dessen Geschicke zu übernehmen. Dabei wurde Israels Weg zu einer funktionierenden Demokratie durch die Heterogenität seiner Bevölkerung zusätzlich erschwert. Es galt, Juden und Araber, Säkulare und Religiöse, Aschkenasen und Sefarden, Alteingesessene und Neueinwanderer aus allen Herren Ländern unter einen Hut zu bringen. Und mit der Zeit wurde die Gesellschaft immer multikultureller. Dennoch funktioniert das Regierungssystem - nicht ohne Probleme, aber auch nicht schlechter als in vielen anderen Demokratien. Bei aller Kritik, die an Israels Unzulänglichkeiten geübt wird: Die Aufbauleistung verdient Respekt.

Mit den Erfolgen wachsen aber auch die Herausforderungen für die Zukunft. Bis heute lebt Israel mit der existenziellen Bedrohung. Das iranische Atomwaffenprogramm, das die Welt fürchtet und das bisher nicht zu verhindern war, konfrontiert den jüdischen Staat mit einer ernstzunehmenden Gefahr. Es lassen sich durchaus Untergangsszenarien entwickeln, bei denen die iranische Führung trotz des zu erwartenden Gegenschlags Nuklearwaffen gegen Israel einsetzt.

Der nach wie vor ungelöste Konflikt mit den Palästinensern und mit Syrien sowie die anhaltende, unversöhnliche Feindschaft, die Israel in großen Teilen der arabischen und der islamischen Welt entgegenschlägt, sind ebenfalls vielfältige Gründe zu tiefer Sorge. Deshalb, aber nicht nur deshalb, darf und kann sich das Land nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Wirtschaft und Wissenschaft, Bildung und Koexistenz der diversen Bevölkerungsgruppen – all das gilt es unaufhaltsam weiterzuentwickeln. So heißt es zum 60. Geburtstag: Herzlichen Glückwunsch. Und weiterhin viel Erfolg.

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Aus Anlass des 60. Jahrestages der Staatsgründung Israels laden der Zentralrat der Juden in Deutschland, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und der Deutsche Koordinierungsrat am 14. Mai zu einem Festakt in die Frankfurter Paulskirche ein.
Die Feierstunde wird vom TVSender Phönix live von 17.30 bis 18.30 Uhr übertragen.