8. Jahrgang Nr. 3 / 28. März 2008 - 21. Adar II 5768

Solidarität mit Israel

Beim Jugendkongress, der im Zeichen der 60-Jahr-Feier stand, wurde reichlich diskutiert und gefeiert

Von Lisa Borgemeister

„60 Jahre Israel – Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen". So lautete das Thema des diesjährigen Jugendkongresses. Knapp 300 jüdische Deutsche im Alter zwischen 20 und 36 Jahren folgten Ende Februar der Einladung des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und verbrachten ein verlängertes Wochenende in Bad Kissingen. „Israel ist ein sehr wichtiges Thema für mich. Als Jude wird man oft auf Israel angesprochen und dann sollte man auch ein bisschen Bescheid wissen", sagt eine der Teilnehmerinnen aus Bonn. Sie ist gemeinsam mit einer Freundin zum Kongress gereist. Auch Abraham Lehrer, Vorsitzender der ZWST, weiß um die Aktualität des Themas. „Für uns Juden in der Dispora hat der Staat Israel eine besondere Bedeutung", sagt er. „Uns zeichnet eine Solidarität mit den Menschen und ihren Problemen aus, unabhängig von der amtierenden Regierung oder den Parteien der Regierungskoalition." Diese spezielle Beziehung führe immer wieder zu Aussagen in der Öffentlichkeit wie zum Beispiel „in eurem Land" oder sogar „was ihr mit den Palästinensern macht". Dem Gleichsetzen von Juden und Israelis könne man nicht entgehen, so Lehrer.

Viele namhafte Referenten konnten die Organisatoren für die Tagung gewinnen, unter ihnen zum Beispiel die ehemaligen Botschafter des Staates Israel, Avi Primor und Yehudi Kinar, die Israel-Korrespondentin der „Zeit", Gisela Dachs, die Publizistin Mirjam Pressler und den Bundesgeschäftsführer der deutsch-israelischen Wirtschaftsvereinigung, Grisha Alroi-Arloser und für die Podiumsdiskussion Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch. In Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops setzen sie sich zusammen mit den Teilnehmern aus ganz Deutschland mit der Geschichte und der aktuellen Situation des Staates Israel auseinander. Auch eine mögliche EU-Mitgliedschaft Israels sowie das politische und wirtschaftliche Verhältnis des Landes zu Europa wurden diskutiert.

Das Interesse der jungen Kongressteilnehmer ist groß. Mucksmäuschenstill sitzen sie in den Workshop-Räumen und lauschen den Berichten und Erzählungen der Referenten. Erst beim Mittagessen wird's wieder laut. „Viele Leute kenne ich schon den vergangenen Kongressen", erzählt eine der Teilnehmerinnen und lässt die Augen durch den Raum schweifen. „Aber ich lerne auch immer wieder neue Menschen kennen". Spätestens bei der großen Party, berichtet sie, breche das Eis endgültig. Mit Live-Musik feiern und tanzen die jungen Menschen dann bis in die frühen Morgenstunden.

Politische Diskussionen und das Kennenlernen anderer junger Juden aus Deutschland – beides ist wichtig auf dem Jugendkongress. Hinter vorgehaltener Hand wird er oft als eine Art „Heiratsmarkt" beschrieben. Auf die Frage, was dran ist an diesem Gerücht, lacht Mitorganisatorin Inka Margulies vom Jugendreferat der ZWST laut auf. „Hier haben sich schon einige Paare gefunden", bestätigt sie dann schmunzelnd. „Wir haben mittlerweile auch die ersten Ehepaare und sogar junge Familien dabei." Für junge Juden in Deutschland gebe es nur wenige Möglichkeiten, sich in solch großen Gruppen zu treffen und kennen zu lernen.

Die kleine Kurstadt Bad Kissingen hat sich nach Angaben von Inka Margulies für den Jugendkongress als „ziemlich ideal" erwiesen: Die Hotelbetreiber sind uns sehr entgegengekommen und haben uns sogar eine eigene Küche zur Verfügung gestellt", erzählt sie. „Wir würden gerne in den nächsten Jahren wieder kommen." Zunächst einmal geht die Reise im September jedoch nach Israel. Wer mitfahren will, sollte sich frühzeitig anmelden. Denn aus logistischen Gründen müssen die Veranstalter die Teilnehmerzahl für diese Reise auf 200 oder 250 Personen begrenzen. Infos: http://www.zwst.org/jukowebsite/www/index.html