4. Jahrgang Nr. 10 / 29. Okotober 2004 - 14. Cheschwan 5765

Geschichte zum Anfassen

Neues Besucher- und Informationszentrum für die Gedenkstätte Sachsenhausen

Der Eingang der Gedenkstätte Sachsenhausen ist schwer zu finden. Archäologen haben die Mauer des früheren Konzentrationslagers freigelegt. Bagger rattern, das Erdreich ist aufgerissen – Zeichen einer Zäsur für die Gedenkstätte. „In diesem Jahr kommen wir der Verwirklichung unseres neuen Konzepts einen großen Schritt näher. Bis 2006 können wir es weitgehend abschließen“, sagt der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch. Im vergangenen Jahr kamen 300 000 Besucher nach Sachsenhausen am Ortsrand von Oranienburg in Brandenburg. Seit diesem Frühjahr nun gibt es in dem Gebäude der ehemaligen „Waffenmeisterei“ ein neues Informationszentrum.

Die Planung für die Gedenkstätten in Sachsenhausen und dem früheren Frauen-KZ Ravensbrück hatte Anfang der neunziger Jahre begonnen. Laut Morsch hatte die DDR die Erforschung der KZ-Geschichte jahrzehntelang vernachlässigt. Das hatte zur Folge, dass im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen Museen und Ausstellungen fast auf dem Stand der Gedenkstätten-Einweihung 1961 stehen geblieben seien. Im neuen, 650 Quadratmeter großen Informationszentrum können sich die Besucher jetzt multimedial und an einem großen Übersichtsplan über dreizehn Ausstellungen informieren, unter anderem über die Dauerausstellung in den „Jüdischen Baracken 38/39“.

Auch die Führungen werden dem veränderten Besucherrundgang angepasst. Sie folgen den Haftstationen - von der Einlieferung der Häftlinge bis zur Befreiung – oder zu ihrer Ermordung. Stelen und Tafeln werden Ausstellungen und historische Orte kennzeichnen. Statt durch einen zu DDR-Zeiten angelegten Park führt der Zugang wieder über jene Straße, über die einst die Häftlinge in das KZ verschleppt wurden. Erstmals werden sich den Besuchern dann die riesigen Dimensionen des Komplexes erschließen – mit dem einzigen noch weitgehend erhaltenen SS-Truppenlager, den Wohnsiedlungen der SS und der „Inspektion der Konzentrationslager“.

Zum Zentralren Gedenkort wurden inzwischen die Überreste der Vernichtungsanlage „Station Z“ umgestaltet, in der die Relikte der Krematoriumsöfen, der Erschießungsanlage und der Gaskammer zu sehen sind. Zum sechzigsten Jahrestag der Lagerbefreiung im kommenden Jahr sollen hier dringend notwendige Reparaturen beendet sein. Dann soll außerdem die Dokumentation über „Mord und Massenmord im KZ Sachsenhausen“ präsentiert werden.

dpa/zu