8. Jahrgang Nr. 2 / 29. Februar 2008 - 23. Adar I 5768

Schweres Gedenken

Im ehemaligen KZ Ravensbrück wird eine Sonderausstellung über "Jüdische Frauen" gezeigt

Von Ulf Meyer

Mehr als 200 berührende Gegenstände, Fotos, Dokumente und Filme haben die Kuratoren einer Sonderausstellung zusammengetragen, die sich erstmals explizit mit dem schlimmen Schicksal der jüdischen Häftlinge im KZ Ravensbrück beschäftigt. Mehr als 15.000 jüdische Häftlinge aus fast allen europäischen Ländern wurden zu unterschiedlichen Zeiten in das als größtes Frauen-KZ bekannte Todeslager Ravensbrück in Fürstenberg/Havel deportiert. Mindestens 2.600 von ihnen sind in dem Lager getötet worden.

Die Sonderausstellung widmet sich einer lange vernachlässigten Häftlingsgruppe, die in der Zeit der DDR aus ideologischen Gründen fast ausgeblendet wurde. Im Zentrum der staatlichen Gedenkfeiern stand die Gruppe der politischen Häftlinge. Dies änderte sich erst mit der Vereinigung beider deutscher Staaten.

Nachdem bereits Anfang der 90er Jahre im Zellenbau ein jüdischer Gedenkraum eingerichtet wurde, sind es neuere wissenschaftliche Forschungen, nicht zuletzt von israelischen Historikern, die diese Ausstellung ermöglichten. Überlebende und deren Angehörige haben mit ihren Leihgaben die Schau unterstützt. Die Geschichte der jüdischen Häftlinge wird auch in der künftigen neuen Hauptausstellung großen Raum einnehmen.

Die Nationalsozialisten hatten 1938 bis 1945 insgesamt rund 130.000 Frauen und Kinder sowie 20.000 Männer aus ganz Europa in Ravensbrück inhaftiert. Bis 1944 war Ravensbrück jedoch kein Zielort systematischer Deportationen der europäischen Juden. Erst mit dem Rückzug der Wehrmacht von der Ostfront und der Räumung von Ghettos und Vernichtungslagern in Osteuropa verschleppte die SS viele jüdische Frauen nach Ravensbrück, wo sie zur Sklavenarbeit gezwungen wurden. Nach Anordnung des Reichssicherheitshauptamts in Berlin, das Lager Ravensbrück judenfrei zu machen, wurden 1942 über 600 Frauen, fast ausnahmslos Jüdinnen, nach Auschwitz deportiert. Ende 1944 wurde in Ravensbrück eine Gaskammer gebaut und das KZ somit zum Vernichtungslager. Bis Kriegsende wurden bis zu 6.000 Häftlinge in Ravensbrück von der SS vergast.

An mehreren Hörstationen werden in der Ausstellung nun 32 Biografien sowie Selbstzeugnisse von jüdischen Häftlingen präsentiert.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, sprach zur Eröffnung der Ausstellung, an der auch drei Überlebende und Leihgeber aus Israel, Russland und der Slowakei teilnehmen konnten, darunter Stella Nikiforowa, geboren 1939 in Antwerpen, die 1943 mit ihrer Mutter nach Ravensbrück deportiert wurde. Ihre Mutter starb im Lager. Nach der Befreiung des KZs durch die rote Armee wurde sie als Sechsjährige von russischen Frauen in deren Heimat mitgenommen und lebt heute in Sankt Petersburg.

Eva Bäckerová, geboren 1940 in Kezmarok in der Slowakei, wurde 1944 mit ihrer Familie nach Ravensbrück deportiert, wo ihre kleine Schwester starb. Bäckerová selbst wurde schließlich aus dem KZ Bergen-Belsen befreit und lebt heute in Kaschau. Beide Frauen waren an den Vorbereitungen zur Ausstellung beteiligt und sind in ihren Ländern aktiv, um die ehemaligen Kinderhäftlinge zu vernetzen und ihre Geschichten bekannter zu machen. Von den Ravensbrück-Überlebenden begannen vermutlich 700 ein neues Leben in Israel. Die Ausstellung wird vom Bundesfrauenministerium gefördert.

Erst im April 2007 war am Rande des Besuchs des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck in Israel ein „Verband der israelischen Ravensbrück-Überlebenden" gegründet worden. Der Ministerpräsident hatte in Jerusalem eine Ausstellung der Gedenkstättenstiftung eröffnet und im Rahmen eines Empfangs Überlebende aus Ravensbrück und Sachsenhausen für ihre Arbeit als Zeitzeugen mit dem Verdienstorden ausgezeichnet.