8. Jahrgang Nr. 2 / 29. Februar 2008 - 23. Adar I 5768

Tora und Talmud seit frühster Kindheit

Rabbiner im Portrait: Der Vorsitzende der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, Yitshak Ehrenberg, wurde schon orthodox erzogen

Es war nicht leicht für Rabbiner Yitshak Ehrenberg nach Deutschland zu gehen – ins Land der Shoa. Aber wie immer im Leben, hatte er auch bei dieser schweren Entscheidung einen weisen Ratgeber: „So zeigen wir den Deutschen, dass es uns Juden noch gibt", sagt ihm sein Schwiegervater und Lehrer, ein Rabbiner aus Jerusalem. „So eine enge Beziehung zwischen Schüler und Lehrer gibt es selten", sagt Ehrenberg, wenn er an seinen Mentor zurückdenkt, der letztes Jahr gestorben ist. Seinem Ratschlag folgte er auch diesmal. Und so fügt es sich, dass Ehrenberg ausgerechnet zur Zeit der Wiedervereinigung von Wien nach München zieht, um der bayerischen Gemeinde auf die Beine zu helfen.

Es ist nicht sein erster Umzug, denn ursprünglich stammt der Rabbi aus Jerusalem. Dort ist er geboren, dort lebten seine chassidischen Vorfahren seit 200 Jahren, mittlerweile in der achten Generation. Ursprünglich seien seine Ahnen aus Russland ausgewandert, sagt Ehrenberg, der 1950 in Jerusalem geboren wurde. Seine Kindheit verlief nach dem gleichen Muster wie die seiner Eltern: Wie es sich für orthodoxe Juden gehört, geht der junge Yitshak auf eine religiöse Schule und lernt viel über das Judentum. Nach vielen Jahre Studium heiratet er mit 21 die Tochter seines Rabbis, Nechama. Schon allein deshalb ist die Beziehung zu diesem wichtigen Mentor lebenslang und besonders intensiv gewesen. Gemeinsam geht das junge Paar nach Aschkelon, er hält Vorträge und unterrichtet. Vier Jahre später ziehen Ehrenbergs zurück nach Jerusalem. Dort leitet der angehende Rabbiner bis 1983 die Jeschiwa, eine Tora und Talmudschule für ältere Jungs. Nach acht Jahren lernen und lehren wird Ehrenberg schließlich ordiniert und nimmt sein erstes Amt in Wien an. Deutsch spricht der junge Rabbiner nicht, dafür aber Jiddisch. Das reicht für seine erste Gemeinde. Dennoch lernt er schnell die Sprache. „Sechs Jahre waren wir in Wien", erinnert er sich heute. Die ersten zwei Jahre seien für seine Frau sehr schwer gewesen. Das Paar hatte damals bereits vier Kinder, das fünfte war unterwegs. Und dennoch resümiert der Rabbiner über sein Leben in Wien: „Es war eine wunderschöne Zeit."

Im Alter von 33 Jahren zieht Ehrenberg auf Bitten der Münchener Kultusgemeinde in die bayerische Landeshauptstadt. „Das war politischer und ich hatte mehr Verantwortung", erinnert er sich. Damals wusste der Gelehrte nicht, dass ihn diese Erfahrungen auf den Vorsitz der orthodoxen Rabbinerkonferenz vorbereiten würden, den er heute innehat. Sieben Jahre bleibt die Familie in München. Die Kinder werden im Alter von 13 oder 14 Jahren nach Israel geschickt: „In München gab es keine angemessene religiöse Erziehung", bedauert Ehrenberg. Von Ehrenbergs fünf Kindern ist keines Rabbiner geworden – aber sein Schwiegersohn ist ein bei Liebhabern chassidischer Musik bekannter Komponist und Musikant.

Der Wechsel 1996 in die deutsche Hauptstadt ist ein großer Schritt für den Rabbiner und seine Frau. Abermals ist es sein Schwiegervater, der ihm gut zuredet. Auch seine Frau ist Rabbiner Ehrenberg bis immer eine große Stütze. Sie studiert heute am Tuoro College im Grunewald. Als „rechte Hand" des Rabbis hilft sie ihm bei seiner Hauptaufgabe: Familien zurück zum Judentum zu bringen. Das Paar lädt Zuwanderer auch außerhalb der Synagoge zum Essen ein, Ehrenbergs Frau hilft und unterrichtet die Zuwanderer.„Wir müssen ganz vielen Menschen eine zweite Chance geben", sagt Ehrenberg.
jb