8. Jahrgang Nr. 2 / 29. Februar 2008 - 23. Adar I 5768

Rabbi fühlt sich sicherer denn je

Nach Messerattacke kehrt für den Frankfurter Zalman Gurevich langsam wieder der Alltag zurück

Fünf Monate nach der Messerattacke fühlt sich Rabbiner Zalman Gurevich in Frankfurt sicherer denn je. "Ich habe so viel Sympathie und Unterstützung auch von zahlreichen Nicht-Juden erhalten, womit ich nie gerechnet hätte", sagt der orthodoxe Rabbi. Ein einzelner Attentäter werde es nicht schaffen, seine Einstellung zur Main-Metropole und ihren Menschen zu verändern.

Gurevich lebt nach eigenen Angaben seit 17 Jahren am Main. Wenige Tage vor Rosh Haschana, am 7. September vergangenen Jahres war er auf offener Straße von einem 22 Jahre alten Deutschen afghanischer Abstammung angegriffen und mit einem Messer in den Bauch gestochen worden. Der Rabbi überstand seine Verletzungen, klagt aber immer noch über Müdigkeit und Konzentrationsstörungen als Folgen der Tat.

Das Verbrechen hatte eine Welle der Bestürzung und Anteilnahme ausgelöst.

So hatte Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch gemahnt: „Angesichts der sich häufenden Gewaltakte gegen Minderheiten hierzulande, muss man sich fragen, ob die Diskussion um „No-Go-Areas" zwischenzeitlich nicht auch auf andere Teile in der Bundesrepublik, als nur den Osten, ausgeweitet werden muss."

Der schon früher gewalttätige Verdächtige war wenige Tage nach der Tat ermittelt und festgenommen worden. Er muss sich demnächst wegen versuchten Totschlags vor dem Frankfurter Landgericht verantworten.

Wenige Stunden nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus sei er bewusst über die Einkaufsstraße Zeil gegangen, weil sich dort viele Muslime aufhielten, berichtete Gurevich. "Meine innerlichen Schranken musste ich selbst überwinden. Das kann kein anderer für mich machen." Für ihn gebe es in Frankfurt keine Gegenden, in die er sich nicht traue. "Das Motiv war eindeutig muslimischer Antisemitismus. So ein Angriff kann in ganz Europa passieren", sagt der Rabbiner.

Die Frankfurter Polizei habe ihre Arbeit "mindestens zu 200 Prozent" erledigt, lobt der Rabbiner. Dass sie den Täter innerhalb von vier Tagen erwischt habe, sei eine Beruhigung für die Bürger und eine deutliche Warnung an potenzielle Täter. An dem Strafprozess wolle er voraussichtlich teilnehmen, sagt Gurevich.


Die Reaktion der Frankfurter mit Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) an der Spitze habe ihm gezeigt, dass der Täter zu einer Minderheit gehöre.

dpa