8. Jahrgang Nr. 2 / 29. Februar 2008 - 23. Adar I 5768

Sonderzüge in den Tod

Bahn eröffnet Ausstellung zu Deportationen in der NS-Zeit

Am 19. Oktober 1942 startet am Güterbahnhof Berlin-Moabit der "21. Osttransport", ein Zug mit 959 Menschen an Bord. Einer der Insassen ist Gert Rosenthal, der zehnjährige Bruder des späteren Entertainers Hans Rosenthal. Gemeinsam mit 140 Kindern aus dem Jüdischen Kinderheim an der Schönhauser Allee wird Gert mit dem Sonderzug in die lettische Hauptstadt Riga deportiert und unmittelbar nach der Ankunft in umliegende Wälder gebracht und erschossen.

Das Schicksal von Gert Rosenthal steht stellvertretend für die mehr als drei Millionen Menschen, die während der NS-Zeit mit Zügen der Deutschen Reichsbahn deportiert wurden - und deren Geschichte die Deutsche Bahn als Nachfolge-Unternehmen der Reichsbahn nun erstmals in einer Wanderausstellung präsentiert. "Sonderzüge in den Tod - Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn" ist der Titel der Schau, die, nachdem sie bis Ende Februar in Berlin (Bahnhof Potsdamer Platz) gezeigt wird, Station in Halle, Schwerin, Münster und weiteren Städten macht.

Bei der Eröffnung der Ausstellung betonte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale die unrühmliche Rolle der Eisenbahn in der NS-Zeit.

Die Reichsbahn habe "ohne Zweifel eine tragende Rolle beim nationalsozialistischen Völkermord" innegehabt. "Sie war in den NS-Staat integriert und hat seine verbrecherischen Aufträge erfüllt."

Die Ausstellung, die Historiker der Bahn gemeinsam mit dem Deutschen Technikmuseum und dem Berliner Centrum Judaicum konzipiert haben, solle eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Reichsbahn in der NS-Zeit ermöglichen.

Dazu gibt die Ausstellung auf 40 Schautafeln einen Einblick in das Schicksal der Deportierten. Sie zeigt, wie Kinder, Frauen und Männer von ihren Heimatorten aus in den Tod transportiert wurden. Überlebende schildern in Interviews die grauenvollen Zustände in den Zügen. Die Durchführung der Transporte, für die die Reichsbahn vom NS-Regime gut bezahlt wurde, wird anhand von Dokumenten und Grafiken dargestellt. Zu sehen sind Fotos und Biografien von aus Frankreich deportierten jüdischen Kindern. Deren Schicksal hatte die Journalistin Beate Klarsfeld bereits vor einigen Jahren für eine ähnliche Ausstellung in Frankreich recherchiert.

KNA