4. Jahrgang Nr. 10 / 29. Okotober 2004 - 14. Cheschwan 5765

Auf dem richtigen Weg

Erfolgreiche Integration am Beispiel der jungen Ärztin Ellina Peskina aus Berlin

Von Irina Leytus

„Nach Berlin kam ich eigentlich durch Zufall. Als meine Eltern Russland verlassen wollten, hatte eine jüdische Verwandte Berlin als tolle Stadt gepriesen. Das fand bei meinen Eltern und auch bei mir und meinem Mann – ebenfalls ein Jude – großes Interesse. Also stand für alle fest: Wenn schon emigrieren, dann nach Berlin“. Ellina Peskina, heute 30 Jahre alt, studierte Ärztin für Allgemeinmedizin und Mutter eines zweijährigen Sohnes, lebt mittlerweile seit fünf Jahren an der Spree. Auf die Frage, ob sie die damalige Entscheidung jemals bereut habe, kommt kein entschiedenes „Ja“ oder „Nein“. Ellina ist bei der Frage nach ihrer Emigration eher nachdenklich. Einerseits gebe es für sie als Jüdin kein Zurück mehr, insbesondere in ihre Heimat Ufa, die Hauptstadt der am Ural gelegenen autonomen Republik Baschkirien, die wiederum 1500 Kilometer von Moskau entfernt ist. Andererseits warte sie immer noch auf den großen Durchbruch in Deutschland.

Wenn alle jüdischen Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auf Ellinas Art „warten“ würden, gäbe es kein Integrationsproblem mehr. Immerhin hat sie ihr russisches Mediziner-Diplom durch ein Zusatzstudium an der Freien Universität Berlin erweitert und hat schließlich ihr Medizinstudium in Deutschland erfolgreich abgeschlossen. Nach ihrem Praktikum an der Berliner Charite wurde ihr schließlich sofort eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin angeboten. „Damals erfuhr ich zeitgleich, dass ich schwanger war und konnte das Angebot deshalb nicht annehmen“. Sohn Gleb wurde also direkt nach dem Studium geboren und Ellina gönnte sich aber – trotz der Trennung von ihrem Mann – keine Babypause. Am Virchow-Klinikum schreibt sie inzwischen ihre Doktorarbeit. Aber auch das ist nicht genug! Abends besucht die junge Ärztin einen Intensivkursus für Englisch, denn „Lernen schadet nie!“

Die allein erziehende Mutter, die sich viel Zeit für ihren Sohn nimmt, und Doktorandin, die anspruchsvolle biologische Forschung in einer Fremdsprache dokumentiert, wirkt trotz allem gelassen und fröhlich: „Das pulsierende Leben in Berlin gebe ihr Kraft“, sagt sie. „Wobei ich von Berlin noch nicht viel mitgekriegt habe, wegen dem Kleinen und der vielen Arbeit. Aber, wie ich von einem Gast auf meiner Geburtstagsparty gelernt habe, mit dreißig fängt das Leben erst richtig an!“ Und ihr „Fünfjahresplan“ steht fest: erst Doktortitel, nachher eine gute – stabile und anspruchsvolle – Arbeit. Erst dann will Ellina die Hauptstadt, ihre Kultur und vor allem das vielfältige jüdische Leben in Berlin näher kennen lernen. Um dann, irgendwann hoffentlich zu einem eindeutigen „Nein, ich bereue nichts!“ zu kommen.