4. Jahrgang Nr. 10 / 29. Okotober 2004 - 14. Cheschwan 5765

Dem Judentum verpflichtet

Hochschule für Jüdische Studien feiert Jubiläum: Seit 25 Jahren gibt es die wissenschaftliche Einrichtung in Heidelberg

Von Philipp Rothe

Im November wird die Heidelberger Hochschule für Jüdische Studienihr 25. Jubiläum feiern. 1979 wurde die akademische Einrichtung für Rabbiner, Kantoren und Religionslehrer ins Leben gerufen. Bereits 1971 hatte Landesrabbiner Peter Nathan Levinson den Anstoß zur Gründung einer jüdisch-theologischen Bildungsstätte gegeben, die Studenten jeder Konfession offen stehen sollte. Mit der Heidelberger Hochschule wurde seit ihrer Gründung an die Tradition der Hochschule der Wissenschaft des Judentums in Berlin und ähnlicher Institutionen angeknüpft. Seither beschäftigen sich jüdische und nichtjüdische Studenten mit der Sprache des Judentums, mit den Texten der Bibel und des Tamuds, vertiefen sich in jüdische Philosophie, Geschichte und Literatur. Die eigenständige wissenschaftliche Einrichtung, die in der Trägerschaft des Zentralrats der Juden in Deutschland steht, hat sich in dem Vierteljahrhundert ihres Bestehens zu einem bedeutenden Zentrum für Forschung und Lehre in allen Bereichen der jüdischen Religion und Kultur entwickelt.

Wie fest sie sich mittlerweile in der akademischen Welt etabliert hat, wie hoch angesehen sie nicht zuletzt bei Nachwuchs-Wissenschaftlern ist, konnte die Hochschule bei der Jahresfeier ihres Freundeskreises in diesem Sommer beweisen. An diesem Tag bekamen auch die Absolventen der vergangenen beiden Semester ihre Urkunden überreicht.

Die Hochschule „geht auf dem Weg zur Normalität in Riesenschritten voran“, sagte Peter Hommelhoff, Rektor der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität. Universität und Hochschulesind seit jeher mit einem Kooperationsvertrag verbunden, was Hommelhoff als „glückliche Symbiose“ bezeichnet. Dass der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, mittlerweile Vorsitzender des Kuratoriums ist, nannte Hommelhoff eine Auszeichnung für die Hochschule für Jüdische Studien. „Es war mir eine Herzensangelegenheit, diesen Posten zu übernehmen“, erwiderte Korn. Er habe „Hoffnung und Optimismus, dass wir unser Ziel erreichen werden“.

Und mehr noch als bisher kann die Hochschule in Zukunft für die jüdischen Gemeinden in Deutschland von Nutzen sein. Fünfzig jüdische Studenten zählt die Heidelberger Institution mittlerweile, viele von ihnen streben eine Tätigkeit als Lehrer in den Gemeinden an. Und die Hochschule kann mit weiteren Zukunftszeichen aufwarten. Seit zwei Jahren können hier auch Staatsexamina abgelegt werden, was einmalig in der Geschichte privat geförderter Hochschulen ist. Damit sind die Absolventen uneingeschränkt zum Lehren an Gymnasien berechtigt und stehen ihren christlichen Kollegen künftig mit ihrer Ausbildung in nichts mehr nach.

Die vergleichsweise junge Hochschule kann sich durchaus mit wesentlich älteren Einrichtungen selbstbewusst messen: Bereits drei ihrer Absolventen sind Lehrstuhlinhaber für Judaistik im In- und Ausland. Michael Brenner hat eine Professur in München, Klaus Davidowicz in Wien und Andreas Gotzmann in Erfurt. Auch einige Rabbiner finden sich unter den Ehemaligen aus Heidelberg. Julien-Chaim Soussan ist Gemeinderabbiner in Düsseldorf, Karol Sidon in Prag, Shimon Hirschhorn in den Vereinigten Staaten. Rabbiner Jonah Sievers aus Braunschweig begann sein Studium ebenfalls in Heidelberg. Gut zehn Absolventen sind mittlerweile als Religionslehrer in Deutschland tätig, andere an jüdischen Museen, in Verlagen oder bei Zeitungen. Ein Absolvent arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der großen Ausstellung Europas Juden im Mittelalter. Sie ist ab 19. November dieses Jahres im Historischen Museum der Pfalz in Speyer und anschließend, ab dem 23. April 2005, im Deutschen Historischen Museum Berlin zu sehen. Ein weiterer Anreiz, an der Hochschule zu studieren, könnte auch das Stipendium sein, das der Zentralratjedes Jahr für Studierende an der Hochschule auslobt.

Aus Jüdische Allgemeine Nr. 29 vom 22. 7.2004