8. Jahrgang Nr. 1 / 25. Januar 2008 - 17. Schwat 5768

"Ort der Begegnung, Ort des Dialogs"

Neue Synagoge und Gemeindezentrum für Liberale Jüdische Gemeinde Hannover entsteht im Herzen der Stadt – Einweihung im Oktober

Von Irina Leytus

„Ein Ort der Begegnung, ein Ort des Dialogs" soll nach den Worten der Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, Ingrid Wettberg, das neue Gemeindezentrum mit Synagoge, Gemeinderäumen und Kitagebäude werden. Damit haben wir dann – so die begeisterte Vorsitzende - unser Ziel, eine liberale Synagoge im Herzen der niedersächsischen Hauptstadt zu errichten, erreicht.

Das architektonische Konzept der beiden hannoverschen Architekten Gesche Grabenhorst und Roger Ahrens verspricht, dieser Vision mehr als gerecht zu werden: Die Synagoge soll hell und freundlich-warm in ihrer Ausstrahlung sein, das natürliche Licht kommt von der Decke, das künstliche Licht ist quasi unsichtbar, versteckt sich hinter den stoffbespannten Wänden. Die 200 Plätze deuten ein zum Toraschrein geöffnetes Oval an, dass sich um die Bima gruppiert. Obwohl die Synagoge das Herzstück ist, sind auch die übrigen Bereiche des zweiteiligen Gebäudeensembles ebenso wichtig für die Gemeinde und deswegen gut durchdacht: Der Veranstaltungsraum mit Bühnentechnik ist multifunktional nutzbar, das großes Foyer lässt sich optimal für Ausstellungen nutzen, die Bibliothek mit Büchern auf Deutsch, Hebräisch und Russisch wird von außen zugänglich sein. Überhaupt wünschen sich die Verantwortlichen ein offenes Haus, wo das Gefühl des „Sich-nicht-hinein-Trauens" gar nicht erst aufkommen darf. Ebenfalls im Hauptgebäude werden ein Seniorencafé, sämtliche Büroräume der Gemeinde sowie die zentrale Geschäftsstelle der Union Progressiver Juden in Deutschland und das Jugendzentrum der Union untergebracht. Absolutes Highlight wird der großzügige Innenhof mit einer alten Kastanie sein.

Die Gemeinde entschied sich bewusst nicht für einen Neu- sondern für einen Umbau, um die Kosten möglichst niedrig zu halten. Glücklicherweise bekam sie dafür ein leer stehendes Gebäude, das viele Jahre als Kirche genutzt wurde, zum Kauf angeboten. Die ehemalige Kirche wurde für drei Millionen Euro als Synagoge umgebaut. Einweihung des mit finanzieller Hilfe von Stadt und Land sowie Spendengeldern realisierten Umbaus ist für den 26. Oktober geplant. Bereits am 3. September 2007 hat die Gemeinde-Kita ihre Räume in dem zweistöckigen Nebengebäude , das ebenfalls zum Areal gehört, bezogen. Im Kindergarten werden zur Zeit 16 Kinder betreut. Größere Kinder unterricht Vorstandmitglied Alisa Bach in Bat- und Bar-Mizwa-Gruppen am Nachmittag.

Dabei ist die Gemeinde selbst erst Ende letzten Jahres Bat-Mizwa geworden: 1995 versammelten sich 79 jüdische Frauen und Männer in einem hannoverschen Hotel und gründeten eine Gemeinde, die damals „Neue jüdische Gemeinde" hieß. Inzwischen ist die Gemeinde, die sowohl Mitglied im Zentralrat der Juden, als auch in der Union Progressiver Juden ist, auf 600 Mitglieder und 100 „Freunde" (nicht jüdische Partner der Gemeindemitglieder) angewachsen. Kein Wunder, dass die zwei Jahre nach der Gründung angemieteten Räume in einem Bürogebäude längst nicht mehr ausreichen. „Aber auch hier haben wir uns im Laufe der Jahre häuslich eingerichtet", so Wettberg. Inzwischen hat die Gemeinde drei eigene Thorarollen im kunstvoll gestalteten Toraschrank zu stehen: Die erste ist eine Dauerleihgabe einer liberalen amerikanischen Gemeinde, die zweite stammt aus Krakau und wurde in Israel restauriert, und die dritte wurde den Hannoveranern als Dauerleihgabe von der liberalen Gemeinde Chicago (USA) zur Verfügung gestellt. Die Amerikaner bekamen aus Anlass des 90. Geburtstages ihres Rabbiners Shalman, der aus Deutschland stammt, eine neue Thora.

Und die liberalen Gemeindemitglieder können sich noch auf ein weiteres Novum im Herbst freuen: Mit der Eröffnung der neuen Synagoge wird es künftig auch einen Gemeinderabbiner geben - und zwar aus den eigenen Reihen: Das langjährige Mitglied der Gemeinde, der aus Ungarn stammende Ingenieur Gabor Lengyel, hat nach seiner beruflichen Pensionierung in Deutschland am Rabbinerseminar in Budapest und am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam studiert. Am 26. Oktober wird Lengyel in Hannover ordiniert.