8. Jahrgang Nr. 1 / 25. Januar 2008 - 17. Schwat 5768

„Makler zwischen den Völkern"

Yoram Ben-Zeev ist seit Dezember der neue israelische Botschafter in Berlin

Von Detlef David Kauschke

Es war ein „sehr, sehr bewegender Moment": Unmittelbar nach Überreichung seines Beglaubigungsschreibens an Bundespräsident Horst Köhler, kam Israels neuer Botschafter Yoram Ben-Zeev Ende vergangenen Jahres zum Mahnmal Gleis 17 am Bahnhof Grunewald , um der von dort deportierten Berliner Juden zu gedenken. Ben-Zeev versuchte im Anschluss, dem Schoa-Überlebenden Behar Trost zu spenden. Später sagte der Diplomat sichtlich bewegt: „Ich hatte nichts, was ich ihm sagen konnte, außer ,Am Israel Chai', das Volk Israel lebt." B ei seiner ersten Pressekonferenz unmittelbar im Anschluss erinnerte er sich daran, dass zwischen „diesem schrecklichen Ort" und der israelischen Botschaft nur fünf Minuten Fahrzeit liegen. „Dabei dachte ich daran, wie grausam Geschichte sein kann." Wäre Israel nur drei oder vier Jahre zuvor gegründet worden, wäre das Geschehen vielleicht anders verlaufen, so Ben-Zeev.

Wenige Stunden zuvor hatte er seinen ersten Auftritt im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen. Am Schluss des Studio-Gesprächs verwies Moderator der auf die Bemerkung von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Abschied von Ben-Zeevs Vorgänger Shimon Stein, dieser habe es den Deutschen „nicht immer leicht" gemacht. Und auf die Frage, wie er, Ben-Zeev, es denn als neuer israelische Botschafter in Berlin halten werde, antwortete dieser lächelnd: „Ich bin hier als ein Makler zwischen den beiden Völkern."

Der 63-Jährige steht bereits seit 30 Jahren im Dienst des Jerusalemer Außenministeriums und gilt als einer der erfahrensten Diplomaten seines Landes. Zuvor war er unter anderem in Hongkong, Manila und Los Angeles im Einsatz. In Jerusalem begleitete er eine Zeitlang die Verhandlungen mit den Palästinensern als Koordinator des Friedensprozesses. Berlin ist sein erster Botschafterposten.

Beim Antrittsbesuch im Bundespräsidialamt, sagte der neuen Botschaft dem Bundespräsidenten, dass er es als seine Hauptaufgabe ansehe, „unsere beiden Völker einander so nahe wie möglich zu bringen". Zudem habe er Horst Köhler für die „deutsche Unterstützung Israels seit seiner Gründung" gedankt. Köhler habe die Themen Rassismus und Antisemitismus angesprochen. Dabei sei man sich einig gewesen, dass das Phänomen entschieden bekämpft werden müsse. Dies sei nicht nur Aufgabe der Politik, sondern Verpflichtung jedes Einzelnen. „Ich bin nicht hier, um Deutschland zu sagen, was es tun soll." Die deutsche Gesellschaft sei stark, stabil und reif genug, mit diesem Problem fertig zu werden. „Wir wissen, was Rassismus und Antisemitismus den Opfern antut", meinte Ben-Zeev. „Wir wissen, wie schnell Menschen dazu kommen können, das einfache Gespür für Menschlichkeit zu verlieren."

Heute sei Israel die Heimat aller Juden. Es sei seine Heimat, als Sabre in der siebten Generation, und die seiner drei Kinder. Auf die Zuwanderung russischsprachiger Juden in die Bundesrepublik angesprochen, sagte Ben-Zeev, es sei nicht die Aufgabe des israelischen Botschafters, „etwas über die Größe und das Wachstum jüdischer Gemeinden" zu sagen. Zu den Aufgaben der israelischen Regierungsorganisation „Nativ", die in diesen Tagen die Arbeit in Deutschland aufnimmt, sagte er: Es sei nicht deren Intention, die Juden, die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind, aufzufordern, nach Israel auszuwandern. Vielmehr solle „Nativ" in den Gemeinden helfen, einen „Sinn für jüdische Kultur", etwa durch die Entsendung von Lehrern, zu verbreiten.

Ben-Zeev beherrscht mehrere Sprachen, darunter Arabisch und Chinesisch. Anders als seine Vorgänger spricht er jedoch noch kein Deutsch. Doch er lernt die Sprache und verwendet schon mal die ein oder andere Vokabel, wenn er von „komplizierten issues" oder „german Leute" redet. Mit welchem seiner Vorgänger er sich denn eher vergleichen ließe, wollte ein Journalist bei der Pressekonferenz von ihm wissen. Ob er eher ein Liebling der Medien, wie Avi Primor, oder eher ein scharfer Kritiker der öffentlichen Meinung hierzulande wie Shimon Stein sein werde? Ben-Zeev lächelte. Beide kenne er sehr gut, schätze sie und habe mit ihnen Kontakt. Klar ist: Mit beiden teilt er die Liebe zur Kultur. „Berlin ist Europas kultureller Anziehungspunkt", schwärmte er. Es sei eine faszinierende Stadt, mit einem Temperament, das ihn an Tel Aviv erinnere. Außerdem verbindet Ben-Zeev, Stein und Primor die Liebe zum Sport.

Wie seine Vorgänger wird er für seinen Job auch viel Ausdauer und gute Kondition brauchen. Die holt sich beim täglichen Lauftraining. „Mein Mann joggt sehr viel", verrät Botschafter- Gattin Iris, die ihrem Mann aus Tel Aviv nach Berlin gefolgt ist. „Aber er macht das zu Hause", sagt sie und weist schmunzelnd auf das Laufband im Privatbereich der Residenz. Und so ist vielleicht die Bemerkung, die Ben-Zeev am seines ersten TV-Auftritts machte, im Wortsinne zu verstehen, als er zu seinen Erwartungen für die kommenden Jahre in Berlin sagte: „Ich glaube, es wird gut laufen."

Aus Jüdische Allgemeine Nr. 51/52 vom 20. Dezember 2007