7. Jahrgang Nr. 12 / 21. Dezember 2007 - 12. Tewet 5768

Klezmer, Klassik, Kunst

Das neue, 6. Kulturprogramm des Zentralrats bietet eine bunte Palette hochkarätiger Veranstaltungen

Es ist wieder soweit: Die jüdischen Gemeinden erhalten dieser Tage das 6. Kulturprogramm des Zentralrats der Juden. Wie in den Vorjahren gibt es auch 2008 wieder jede Menge kulturelle Highlights.

Das seit 2004 bestehende Kulturprogramm ist ein Baustein zur Integration der Zuwanderer. Es soll den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinden sowie interessierten Außenstehenden unterschiedliche Facetten der jüdischen Kultur nahe bringen. Zudem fördert dieses Programm gleichzeitig den kulturellen Austausch innerhalb der Jüdischen Gemeinden. Die Künstler sind in der Regel Juden und präsentieren Programme, die jüdische Inhalte haben. So wird bei klassischen Konzerten etwa der Schwerpunkt auf Werke von jüdischen Komponisten gelegt und Theaterinszenierungen beschäftigen sich mit den alltäglichen Problemen sowie Sorgen jüdischer Menschen. Die Gemeinden können aus dem Angebot jeweils zwei attraktive Veranstaltungen für ihre Mitglieder und ihr interessiertes jüdisches und nicht-jüdisches Publikum auswählen.

Auch in diesem Jahr sind beim Zentralrat unzählige Bewerbungen von Künstlern, die sich entweder direkt bei uns oder auf Empfehlung der jüdischen Gemeinden beworben haben, eingegangen. Schließlich ist daraus ein spannendes Potpourri aus Theater-Aufführungen, klassischen Konzerten, Chasanut und volkstümlicher Unterhaltung entstanden.

Besonders groß ist auch 2008 wieder das Angebot in der Sparte „Unterhaltung". Aufgrund der großen Nachfrage aus den Gemeinden, haben wir den Schwerpunkt hier auf jüdische Unterhaltungsmusik von Klezmer bis zu russischen Romanzen gelegt. Mit dabei wieder Jossif Gofenberg & Friends, Raissa Tscheptscherenko mit ihrem Begleiter Alexander Serebrjanik und Mark Aizikovitch. Neu im Programm die Berliner Sängerin, Schauspielerin und Kantorin Jalda Rebling mit traditionellen Liedern und liturgischen Gesängen, die amerikanische Chanson-Sängerin Susan Borofsky, die neben jüdischen Volksliedern auch Broadway-Melodien im Programm hat, und die dynamische Gruppe Klezmorim mit der israelischen Sängerin Nirit Sommerfeld, die das Publikum mit Sicherheit von den Stühlen reißen wird. Zwei echte Geheimtipps sind das großartige Akkordeon-Duo Brillante und Alexander Paperny mit seiner Balalaika.

Die Kategorie „Klassische Musik" hat ebenfalls wieder einige „Leckerbissen" im Angebot: Die Fans können sich auf den Ausnahme-Pianisten Albert Mamriev und den israelischen Bratchisten Avri Levitan, die beide bereits in unserem Kulturprogramm vertreten waren, freuen. Erstmals haben wir in dieser Kategorie einen Gitarrenvirtuosen dabei: Lucian Plessner aus Köln präsentiert sein für Konzertgitarre bearbeitetes Bernstein-Programm aus Anlass des 90. Geburtstags des großen jüdischen Meisters. Aus dem Duo Rubin, das 2006 erfolgreich aufgetreten ist, wurde inzwischen das Trio Rubin. Mit dem Trio-Leiter, dem israelischen Cellisten Ithay Ken, spielen sein Landsmann, der Bratschist Ilan Schneider, und der Berliner Pianist Markus Schlemmer auf.

Auch die Chasanut-Liebhaber kommen wieder ganz auf ihre Kosten: Mit dabei die unvergleichliche Israelische Kantorin und Sängerin Mimi Sheffer, die sich längst deutschlandweit einen Namen gemacht hat, sowie der Wiener Oberkantor Shmuel Barzilai.

Die Fotoausstellung Erinnerung und Zukunft denken – 3. Teil über Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist jeder Gemeinde zu empfehlen. Neben den gelungenen Porträts einzelner Lebensläufe bietet die Ausstellung die Möglichkeit, darüber nachzudenken, wie die sich derzeit im Aufbau und Wandel befindende neue jüdische Kultur in Deutschland künftig aussehen könnte. Im dritten Teil werden Lebensbilder von bereits hier in der neuen Heimat geborenen Kindern gezeigt. Alltag, Freizeit und Schule geben Auskunft über Integrationsprogramme und -Erfolge.

Mit einer ganz neuen und aktuellen Inszenierung ist auch diesmal wieder das jüdische Theater Rostock Mechaje, das mit dem Landeskulturpreis 2007 ausgezeichnet wurde, dabei: Aus Anlass des 70. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 wird das Stück Splitter der Kristallnacht mit Texten deutsch-jüdischer Schriftsteller und Dichter, die im Holocaust verfolgt und ermordet worden sind, präsentiert.

Erstmalig ist diesmal der grandiose Repräsentant der klassischen russischen Schule der Pantomime Arnold Sarajinski dabei. Mit großem Erfolg trat er im Kulturprogramm 2007 mit der Pantomimen-Truppe Mimmus auf und nun dürfen sich alle Liebhaber der leisen Körperkunst auf sein erstes Soloprogram für die Gemeinden freuen.

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