7. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2007 - 20. Kislew 5768

Bau für „Topographie des Terrors" hat begonnen

Neben dem ehemaligen Reichsluftfahrtministerium und Resten der Berliner Mauer drängen sich jedes Jahr mehr als 400.000 Besucher um die unterirdischen Überbleibsel des ehemaligen „Prinz-Albrecht-Geländes", einst die wichtigste Terrorzentrale der Nationalsozialisten. Auf dem Gelände befanden sich zwischen 1933 und 1945 die Gestapo-Zentrale, die SS-Führung und das „Reichsicherheitshauptamt". In diesen Schaltzentralen des Terrors wurde auch der Völkermord an Millionen Juden organisiert. Von den im Krieg zerstörten Gebäuden mit „Europas schrecklichster Adresse" sind heute nur Erdhügel zurückgeblieben. Doch das soll sich jetzt ändern: Am 8. Mai 2010, dem 65. Jahrestag des Kriegsendes, soll hier ein neues Dokumentationszentrum eingeweiht werden, für den Anfang November der Grundstein gelegt wurde. Architektonisch wirkt der geplante quadratische, rundum verglaste Flachbau, der mit einem hellen und beweglichen Metallgeflecht umgeben wird, wie ein müder Abgesang auf den berühmten Entwurf des Schweizer Architekten Peter Zumthor für die „Topographie des Terrors", der 2003 aus Kostengründen fallen gelassen wurde.

Der neue, Entwurf stammt von dem Berliner Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner (HWP) , die sich in einem Bauettbewerb durchsetzen konnten. Die Architekten schlagen eine Gestaltung des Geländes vor, die „der Bedeutung des historischen Ortes und seiner materiellen Spuren gerecht werden will". Nach Vorstellung der Architekten soll sich an die Ausstellungs- und Seminarräume im Hauptgeschoss eine Cafeteria für die Besucher anschließen, während der wissenschaftliche Bereich und eine Bibliothek in das Untergeschoss verbannt wurden. Der zurückhaltende, bewusst unspektakuläre Entwurf verzichtet auf große Gesten. Der Landschaftsarchitekt Heinz Hallmann aus Aachen wird dem Gelände eine neue Schicht aus Kies und Sand hinzufügen, die „die früheren Zeugnisse zur Geltung bringen soll". In einer „Steppe der Erinnerung" werden niedrige Gräser und Kräuter gepflanzt.

Die Baukosten in Höhe von 19 Millionen Euro teilen sich Bund und Land. Das eigentliche Exponat bleibt jedoch die Topographie selbst und die staatliche Verbrechens-Geschichte, die sie erzählt.
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