7. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2007 - 20. Kislew 5768

Sieg der Tapferen

Rabbiner Dr. Joel Berger über Ursprung und Bedeutung vom Lichterfest Chanukka

Der Tempel, das zentrale Heiligtum des jüdischen Volkes im alten Jerusalem, spielt am Chanukkafest, das wir in diesem Jahr vom 25. Kislew bis zum 3. Tewet feiern (5. bis 12. Dezember) eine zentrale Rolle. Das hebräische Wort "Chanukka " bedeutet "Einweihung ". Es geht um "Chanukkat Hamisbeach", die Einweihung des Altars im Tempel von Jerusalem. Man feierte damals, vor etwa 2200 Jahren die Neuweihe des Tempels, der von den syrischen Eroberern Jerusalems entweiht worden war. Man gedenkt damit der Kämpfe der Makkabäer, dieser kleinen Schar von Juden, die mutig für das Wiedererlangen der religiösen Freiheit und der nationalen Selbständigkeit des jüdischen Volkes zu den Waffen gegriffen haben. Und es gelang ihnen etwas, was wenigen in der jüdischen Geschichte durch einen Sieg zu vollenden beschert war: Die Wenigen, die gegen die Mehrheit der syrischen Eroberer aufgestanden sind, haben schließlich den Sieg der Tapferen davon getragen. Der Grund, warum der Kampf der Makkabäer acht Tage lang gefeiert wird, ist nicht nur der imponierende kämpferische Sieg auf irgend einem Schlachtfeld, sondern auch, dass es ihnen dadurch gelungen ist, die jüdische Religion und Kultur, die Lebensform und Weltanschauung gegenüber den Hellenisten zu verteidigen.

Ich möchte an dieser Stelle auch noch ergänzen, dass damals im jüdischen Land nicht nur die heidnischen Eindringlinge zurückgedrängt worden waren, sondern in gleichem Maße auch jene Menschen, wie etwa wohlhabende Patrizier und Kaufleute, die um des lieben, gewinnbringenden Profits willen bereit waren, mit dem Hellenismus zu liebäugeln und mit den Eindringlingen zu kollaborieren. Kein anderes jüdisches Fest verbinden wir so eng, so intensiv mit dem Phänomen des Wunders wie gerade Chanukka. Dies aber ist in Wahrheit gar kein Wunder. Selbst der Talmud, die Schatzkammer der nachbiblischen, jüdischen Literatur und Tradition, nimmt zu Chanukka, wie folgt Stellung: „Was bedeutet das Chanukka? Die Rabbinen lehrten: "Am 25. Kislew beginnen die Tage des Festes. Es sind ihrer acht, an denen man weder Trauerfeiern abhalten, noch fasten darf. Als nämlich die Hellenisten in den Tempel eindrangen, verunreinigten sie alle Öle, die im Tempel waren. Nachdem die Herrscher des Hauses der Haschmonäer sich ihrer bemächtigt und sie besiegt hatten, suchte man und fand nur ein einziges, mit dem Siegel des Hohepriesters versehenes Krüglein mit Öl , das aber nur soviel enthielt, um einen Tag zu brennen und zu leuchten. Aber es geschah ein Wunder und es brannte acht Tage lang. Im folgenden Jahr bestimmte man, diese Tage mit Lob und Dankliedern zu Festtagen."

In der Tat, in dieser Erläuterung des Talmuds verbergen sich mehrere "jüdische " Wunder. Das erste geschah unmittelbar. Der sonst so nüchterne, sachliche Talmud überliefert uns dieses, nachbiblisches Fest ohne lange Debatten unter Gelehrten, ohne strenge Vorschriften - eben nur als eine Wundergeschichte. Das zweite, nicht minder große Wunder ist, was daraus entstanden ist: Bis heute feiern Juden in aller Welt dieses Fest, auch ohne strenge Vorschriften, in der Form, wie sie der Talmud überliefert hatte.