7. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2007 - 20. Kislew 5768

Kölner Thora-Rolle kehrt nach fast 70 Jahren restauriert zurück

Es war ein Tag der Trauer und der Freude: 69 Jahre nach der so genannten Reichskristallnacht erhielt die jüdische Gemeinde in Köln am 9. November 2007 eine damals beinahe zerstörte Thora-Rolle restauriert zurück. Für die mehr als 500 Gäste in der Synagoge an der Roonstraße lagen das Gedenken an die Reichspogromnacht und die freudige Krönung der Thora-Rolle dicht beieinander.

So war es auch eine Gedenkstunde von hoher symbolischer Aussagekraft: Politisch, weil neben dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) und der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, auch die beiden israelischen Oberrabiner Schlomo Moshe Amar und Yona Metzger zu diesem Anlass als Gäste in der ältesten jüdischen Gemeinde Deutschlands dabei waren. Für die beiden obersten Würdenträger ist die Rettung und Restaurierung der heiligen Schriftrolle in Jerusalem ein Zeichen dafür, dass der Geist des Judentums auch durch die Schoah in Deutschland nicht vernichtet werden konnte. Und religiös, weil die Zeremonie zugleich zu einem Signal des christlich-jüdischen Dialogs wurde. Denn Rabbiner Netanel Teitelbaum nahm die im Jahr 1902 geschriebene Schriftenrolle aus der Hand des Kölner Kardinals Joachim Meisner entgegen. Der Erzbischof hatte sich nach dem Papstbesuch in der Synagoge im Jahr 2005 spontan bereit erklärt, die Restaurierungskosten in Höhe von 12.000 Euro zu übernehmen, weil die Gemeinde die Kosten nicht aufbringen konnte. So sprach Präsidentin Charlotte Knobloch auch von einer "großen Geste, die alles andere als selbstverständlich ist".

Als die Synagoge in der Kölner Glockengasse im November 1938 brannte und Hunderte von SA-Leuten und Gaffern feixend zusahen, fasste sich der katholische Priester Gustav Meinertz ein Herz: Er rannte in das brennende Gebäude und rettete die Thora-Rolle.

Kardinal Meisner setzte in der Feierstunde weitere Zeichen des Dialogs: Er regte eine regelmäßige Begegnung zwischen dem Rabbiner und dem Erzbischof von Köln an, um sich über gemeinsame Projekte, Freuden und Sorgen auszutauschen."

kna/zu