7. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2007 - 20. Kislew 5768

Neues Dokumentationszentrum für Bergen-Belsen

„Bergen-Belsen ist ein Ort, von dem die schrecklichsten Bilder um die Welt gingen, Bilder vom tiefsten Punkt der Menschheitsgeschichte. Wer in Bergen-Belsen überlebt hat, sei für sein Leben im Innersten verletzt worden", sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer, Ende Oktober bei der Eröffnungsfeier für das neue Dokumentationszentrum, zu der 1000 Gäste, darunter 100 Überlebende des Konzentrationslagers, gekommen waren. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) betonte, Bergen-Belsen solle ein "Ort des Gedenkens, der Information und der Begegnung" werden. Die Kette der Erinnerung dürfe niemals abreißen.

Der Neubau ist ein 195 Meter langer und 18 Meter breiter Kubus aus Sichtbeton, der mit einer verglasten Spitze in das ehemalige KZ-Gelände hineinragt. Die Kosten teilen sich Bund und Land Niedersachsen. In mehreren Ausstellungsbereichen wird in dem Zentrum die Geschichte von Bergen-Belsen erläutert. Vor dem Zweiten Weltkrieg entstand dort der damals größte Truppenübungsplatz in Deutschland, 1939 begannen die Nationalsozialisten mit der Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers. Im Frühjahr 1943 kam ein Konzentrationslager für überwiegend jüdische Häftlinge aus ganz Europa hinzu.

Nirgendwo sonst existierten ein Kriegsgefangenenlager und ein KZ nebeneinander, und nirgendwo sonst entstand nach 1945 auf einem KZ-Gelände ein Camp für die Überlebenden des NS-Terrors. Bis zu 10.000 Polen sowie 12.000 Juden lebten bis 1950 dort, wo sie zuvor gepeinigt worden waren.

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen sei eine Ausnahme, sagte Kramer weiter, denn im Konzept von Staatsminister Neumann fehlten "immer noch langfristige Mittel für viele Gedenkstätten". Zudem drohe eine Dominanz des Stalinismus die Erinnerung an die NS-Zeit zu überwuchern: "Es ist nicht zu akzeptieren, wenn SED-Diktatur und NS-Regime parallel aufgearbeitet werden sollen", kritisierte Kramer.

In Bergen-Belsen starben zwischen 1939 und 1945 mindestens 52.000 KZ-Häftlinge, unter ihnen Anne Frank, sowie 20.000 Kriegsgefangene.
kna/zu