7. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2007 - 20. Kislew 5768

„Verlässliche Partnerin und echte Freundin"

Zentralrat der Juden feiert 50 Jahre Leo-Baeck-Preis - Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin ausgezeichnet

Zukunft 7. Jahrgang Nr. 11
Zukunft 7. Jahrgang Nr. 11

Als die leisen Töne der Klarinette plötzlich in dem festlich geschmückten Ballsaal erklingen, wird es schlagartig stil, die zahlreichen Zwiegespräche brechen ab und die 320 geladenen Gäste lassen sich zum Auftakt einer ganz besonderen Veranstaltung von Giora Feidman und seiner stimmungsvollen Klarinettenmusik verzaubern: Mit den Klängen von Shalom Chaverim und Donna Donna beginnt die Leo-Baeck-Preisverleihung am 6. November in Berlin an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Die jüdische Gemeinschaft hat in Angela Merkel eine verlässliche Partnerin und echte Freundin gefunden", lobt die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, die Verdienste, die sich die Bundeskanzlerin durch ihr kontinuierliches und glaubwürdiges Engagement im Bereich der Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden, ebenso wie zwischen Deutschland und Israel, erworben hat. „Angela Merkel ist sich „der besonderen Verantwortung für uns und für Israel bewusst", sagte Knobloch weiter. Die Präsidentin dankte der Bundeskanzlerin für ihre unnachgiebige Haltung gegenüber dem Antisemitismus. Sie habe durch überzeugende Worte und engagiertes Handeln deutlich gemacht, dass die aus der deutschen Geschichte resultierende Verantwortung für sie eine Herzensangelegenheit und zugleich Wegweiser ihres politischen Handelns sei. Darüberhinaus habe die Kanzlerin in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie auch in politisch schwieriger Zeit ein verlässlicher Partner an der Seite Israels ist.

In seiner launigen, heiteren und von mehrfachem Applaus unterbrochenen Laudatio sprach Liedermacher und Dichter Wolf Biermann Merkel „für ihren verblüffenden Aufstieg von des Kanzlers Ostmädchen zu Schröders Fiasko und nun zur weltweit respektierten Frau" seinen Respekt aus. Biermann bezeichnete Merkel als "gestandene Christin, promovierte FDJ-lerin und gutgelerntes Kind der DDR mit Karriere im Freiheitskrieg der Menschheit". Sie sei ihm nie wie ein Ossi vorgekommen" und längst eine Deutsche geworden, die in keine West- oder Ostschublade reinpasse.

Bundeskanzlerin Merkel sagte in ihrer Festrede, sie werde dauerhaft dafür einstehen, "dass Rassismus und Antisemitismus in Deutschland und Europa nie wieder Fuß fassen". Der aufrechte Gang gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus müsse als alltägliche Verpflichtung begriffen werden. "Null Toleranz für Intoleranz" müsse der Leitsatz sein. Die Kanzlerin unterstrich in ihrer Ansprache die entschiedene Haltung Deutschlands an der Seite Israels und betonte, dem Iran erneut mit Sanktionen angesichts der Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm zu drohen. Mit Blick auf die existentielle Gefahr für Israel, die vom Atomprogramm der Islamischen Republik ausgehe, dürften Beteuerungen einer besonderen Verantwortung Deutschlands für den jüdischen Staat keine leeren Worte bleiben, sagte die Kanzlerin weiter: „Den Worten müssen Taten folgen." Die Auszeichnung mit dem Leo-Baeck-Preis Preis bedeute für sie eine Verpflichtung, "heute und in Zukunft für die Sicherheit des Staates Israel und für unsere gemeinsamen Werte von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einzutreten", sagte Merkel.

Die diesjährige Leo-Baeck-Preisverleihung stand unter dem Motto: 50 Jahre Leo-Baeck-Preis. Der Zentralrat der Juden will mit dieser Auszeichnung das Andenken an eine prägende Gestalt des Deutschen Judentums, an den bedeutenden Rabbiner und Gelehrten Leo Baeck, wach halten. Aus diesem Grund waren zu dem Galadinner im Hotel Adlon nicht nur 300 Vertreter aus Politik, Kultur und Wirtschaft eingeladen worden, sondern vor allem ehemalige Leo-Baeck-Preisträger wie Dr. Konrad Schilling (Preisträger 1964) Verlegerin Friede Springer (2000), Publizist Ralph Giordano (2003) und Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1994) oder Otto Romberg (1996).

Der Zentralrat der Juden ehrt mit dem Preis Menschen, die sich, wie Namensgeber Leo Baeck, zum einen in herausragender Weise für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt haben und denen es zum anderen gelungen ist, aus den dunklen Kapiteln deutscher Geschichte Lehren für die Zukunft zu ziehen.

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