4. Jahrgang Nr. 9 / 29. September 2004 - 14. Tischri 5765

„In Hütten sollt ihr wohnen…“

Rabbiner Dr. Joel Berger beschreibt den Ursprung und die Bedeutung des siebentägigen Festes Sukkot

Der Name unseres Festes Sukkot bedeutet übersetzt „Zelte“ oder „Hütten“ - im übertragenen Sinne ein „Übergangswohnheim“. Diese Namen weisen auf jene altertümlichen Lebensumstände der Israeliten hin, über die uns die Heilige Schrift (3.B.M. 23: 42-43) folgendes berichtet: „In Hütten sollt ihr wohnen sieben Tage lang…, damit eure künftigen Geschlechter wissen, dass Ich die Kinder Israels in Hütten weilen ließ, als Ich sie aus dem Land Ägypten (aus der Unterdrückung) herausführte…“ Dieses Fest will uns an eine beschwerliche Epoche der Volksgeschichte erinnern. Das Begehen dieser Festtage bildet einen wesentlichen Bestandteil der jüdischen „Erinnerungskultur“ aus der wir Lehren für unsere spätere Geschichte ziehen konnten.

Die wundersame g-ttliche Befreiung aus den Händen des Tyrannen Pharao ließ bei vielen Israeliten und fremden Mitreisenden den Eindruck entstehen, dass man bald mühelos in ein Land gelangen würde, in dem wie verheißen „Milch und Honig“ fließen würde - und zwar fast ohne eigenes Zutun. Dass es sich um eine lange und harte Reise handeln könnte, hatten die wenigsten der Befreiten bedacht. Wenn sie gewusst hätten, dass man in der Wüste - und nicht, wie erwartet, auf der frequentierten Küstenstraße - die Reise bewältigen müsse, dazu noch Hunger und Durst erleiden und nach der Hitze des Tages nur eine notdürftige Hütte für die Nacht finden würde - wer weiß, ob dann nicht doch die meisten lieber Knechte des Pharao geblieben wären…? Daher ist dieses Fest mehr als nur Erinnerung. Es ist die Vergegenwärtigung der einstigen Volkserlebnisse aus der Urzeit unserer Ahnen. Durch Sukkot wollen wir an die einst erfahrene Gnade und Fürsorge G-ttes erinnert werden. Der Bau der dürftigen Hütten will uns abermals an jenes G-ttvertrauen unsere Ahnen erinnern, die erleben durften, dass der Herr die Seinigen doch nicht Mangel erleiden lässt…Und auch wir, die späteren Nachfahren, sollten unsere Dankbarkeit dafür mit Überzeugung zum Ausdruck bringen.

Laut Tora (5.B.M. 16:13) begehen wir Sukkot ab den 15. Tag des jüdischen Monats Tischri, d.h. in diesem Kalenderjahr ab dem 30. September: „Das Fest der Hütten sollst du dir begehen… wenn du hereinholst von deiner Tenne und deiner Kelter…“. Das heißt, das Fest soll zugleich mit dem Einbringen der letzten Ernte gefeiert werden. Der Grund? Es ist der Zeitpunkt, da die Dankbarkeit für die g-ttliche Fürsorge am intensivsten zu spüren ist.

Zu den Geboten dieses Feiertages gehört nicht nur der Bau einer Hütte, sondern die Tora verlangt von uns ausdrücklich auch, in dieser zu weilen, zu wohnen und zumindest die Hauptmahlzeiten dort einzunehmen. Dies ist bei unseren Witterungsverhältnissen jedoch, nicht immer leicht zu erfüllen. Deshalb freuen wir uns, wenn der Herbst uns manchmal trockene, warme Witterung schenkt.