7. Jahrgang Nr. 10 / 26. Oktober 2007 - 14. Cheshwan 5768

Sukka fürs Jüdische Museum Berlin

Architekt Daniel Libeskind kehrt mit seinem neuesten Entwurf an den Ort seines größten Erfolges zurück

Seit der Eröffnung im Jahr 2001 haben mehr als vier Millionen Besucher das Jüdische Museum in Berlin "erlebt": Daniel Libeskinds Entwurf hat zugleich ihn und das Museum weltberühmt gemacht. Der Neubau hat dabei dem Hauptgebäude, einem der schönsten Barockgebäude Berlins, die Schau gestohlen. Mit der Einweihung eines weiteren Libeskind-Entwurfs verschieben sich die Gewichte wieder zugunsten des Altbaus. Libeskind hat eine Überdachung des 600 Quadratmeter großen und zwölf Meter hohen Hofs des Altbaus entworfen, damit dieser U-förmig umschlossene Raum zum Veranstaltungsraum - der dringend benötigt wurde - werden kann. Libeskind ist mit seinem gläsernen Entwurf abermals ein eindrucksvoller Raum gelungen. Baumeister Philipp Gerlach hatte dem ehemaligen Kammergericht, für das das Gebäude 1735 gebaut worden ist, fein proportionierte Fassadenreliefs gegeben. Nun trennt nur eine kleine Glasfuge das hochgeschossene Libeskind-Tragwerk mit seinem Glasdach vom Altbau: Vier Stützen aus jeweils drei Stahlpfeilern tragen das Dach und die asymmetrischen Baumkronen setzen sich als Liniennetz im Dach fort. Weil sie wie Baumstämme wirken, assoziiert man sie mit einer "Sukka", in die die Juden zu Sukkot einziehen, um daran zu erinnern, dass Gott das jüdische Volk in Hütten wohnen ließ, als er sie aus Ägypten herausführte. Der soziale und kommunikative Charakter der Laubhütte, in der zu Sukkot die Mahlzeiten eingenommen werden, soll Pate stehen für den neuen Raum des Berliner Museums. Die ausgefallene Geometrie stellte die beteiligten Planer und Handwerker vor große Herausforderungen. Die verwinkelte "Äste" waren komplizierte Einzelanfertigungen. Die gefaltete Glasfassade reflektiert spannungsreich Innen und Außen und lässt sich zum Museumsgarten hin breit öffnen. Im Boden wurde eine Hebebühne eingelassen. Für die Baukosten in Höhe von über acht Millionen Euro kamen Sponsoren und der Bund auf.
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