7. Jahrgang Nr. 10 / 26. Oktober 2007 - 14. Cheshwan 5768

Von Abraham, Sara, Sodom und Gemorra

Rabbiner Dr. Joel Berger zum Wochenabschnitt Wajera am 26. Oktober

Der Wochenabschnitt Wajera aus dem ersten Mosebuch erzählt von Abraham: Der Erzvater sitzt in der Mittagshitze vor seinem Zelt als drei Boten des Herrn in menschlicher Gestalt vor ihm erscheinen.

Unsere Weisen erläutern den Grund, warum gerade drei Boten erschienen sind: Der erste brachte die Nachricht, dass die Frau Abrahams, Sara, einen Sohn gebären werde. Diese Mitteilung hatte Sara mit lautem Gelächter quittiert: Ein Kind in meinem Alter? Lachhaft! Kann es denn etwas geben, was G-tt nicht vollbringen könnte? Der zweite Bote dagegen verkündete Abraham die erschreckende Nachricht, dass Sodom und Gomorra, die Städte der Gewalt und der Übeltäter, untergehen werden. Und der dritte hatte schließlich die Aufgabe Lot und seine Familie vor dem Untergang in Sodom zu retten.

Die Geschichte Abrahams und Saras ist keine Erzählung über makellose Heilige. Soeben hat die erste jüdische Frau ihren „Bundesgenossen", G-tt, ausgelacht und wird trotzdem nicht bestraft. Im Gegenteil: Isaak wird geboren. Im Hebräischen heißt er Jizchak, was soviel wie „der Lachende" bedeutet. Der Midrasch erwähnt, dass in der Nachbarschaft gemunkelt wurde: Abraham, der Alte, wäre gar nicht der Vater und dass die zwei Alten ein Findelkind als ihr eigenes ausgeben. So haben die Nachbarn etwas zu Lachen gehabt...

Bei der Geburt Isaaks war Jischmael, der Sohn von Hagar, der anderen Frau Abrahams, bereits 13 Jahre alt. Das Fest der Beschneidung beider Söhne wurde gemeinsam gefeiert. Nach der Feier wuchs die Spannung zwischen den beiden Frauen. Als Sara hört, dass Hagar und Jischmael sie wegen der Geburt Isaaks verspotteten, fordert sie von Abraham die Vertreibung der beiden. Abraham stimmt erst zu, nachdem in die Stimme des Herren ermahnt hat, die Weisung Saras zu befolgen. Schweren Herzens schickt Abraham die beiden in die Wüste. Nicht der Patriarch, sondern Sara handelte hier ungerecht. Die Folgen der Handlung dieser jüdischen Frau hat Israel teuer bezahlt: mit viel Blut und Tränen. Bis heute leiden wir unter den Folgen.

Immer wieder wurde die Frage gestellt: Worin lag denn der Grund für den Untergang der Städte Sodom und Gomorra? Was warf man ihnen vor? Als sich Lot von Abraham trennte, um sich in Sodom niederzulassen, lesen wir: „Die Leute von Sodom aber waren sehr böse und frevelhaft gegen den Herrn(13:13). Ihr hemmungsloser Egoismus kommt zum Vorschein, als sie die Gäste Lots überfielen und seine Töchter vergewaltigen wollen. In diesen Städten war untersagt, menschlich zu handeln. Die Namen Sodom und Gomorra sind Synonyme für Unmenschlichkeit. Dennoch ging diese Region des Heiligen Landes nicht in ewiger Verdammung unter. Bis heute sprudeln dort heilende Quellen und selbst das Baden im schwer salzhaltigen Toten Meer kann medizinische Wunder bewirken.