7. Jahrgang Nr. 9 / 28. September 2007 - 16. Tischri 5768

„Wer ein Haus baut, der bleibt auch"

Festakt zum 50-jährigen Jubiläum der Synagoge in Trier

Als „einen Triumph über Hitler" bezeichnete Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch den 50. Jahrestag der Einweihung der Synagoge Trier. Das feierliche Ereignis wurde von Triers neuem Oberbürgermeister Klaus Jensen eröffnet. Die erste Spuren jüdischen Lebens in Trier reichen bis ins Jahr 1066 zurück und trotz eines im Allgemeinen friedlichen Zusammenlebens gab es immer wieder Phasen der Diskriminierung, Pogrome und die Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg. Aus diesem Grund erwähnte der Oberbürgermeister auch, dass die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten dürften. Vierzehn Mutige waren es, die trotz Vertreibung und Holocaust bereits 1946 die jüdische Gemeinde in Trier wieder aufbauten und damit den Grundstein für die neue Synagoge, die am 18. August 1957 eingeweiht worden war , legten. „Sie krempelten ihre Ärmel hoch", setzte Charlotte Knobloch die Geschichte fort, „und bauten die neue Synagoge nach den Plänen des Trierer Architekten Alfons Leitl."

Der Ehrenvorsitzende der jüdischen Gemeinde Trier, Gerd Voremberg, der diese 25 Jahre lang geleitet hat, erinnerte sich an die Schwierigkeiten, die die kleine Gemeinde während der Nachkriegszeit hatte. Oft gab es bereits mit dem Minjan Probleme – die Zahl der Juden in Trier war eben einfach zu gering! In den 90er Jahren brachten die jüdischen Zuwanderer wieder neues Leben in die kleine Gemeinde, die vor dem Holocaust 800 Mitglieder zählte. „Die russischen Zuwanderer haben ein enormes Potenzial in ihrem Reisegepäck und tragen zur Renaissance des Judentum in Deutschland entscheidend bei", stellte die Präsidentin fest.

Zu dem Festakt im Trierer Theater waren zahlreiche Ehrengäste und Repräsentanten des öffentlichen Lebens aus Rheinland-Pfalz, den jüdischen Gemeinden Frankreichs, den Niederlanden, Luxemburg und Belgien gekommen. Sie nahmen auch an dem feierlichen Gottesdienst unter der Leitung von Rabbiner Gerald Rosenfeld aus dem französischen Thionville teil. In der Feierstunde sprach der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Trier, Benz Botmann, von den Visionen der Väter für das jüdische Leben in Trier nach dem Holocaust: „Der Neubau war von der Hoffnung geprägt, dass das Judentum in Deutschland wieder Fuß fassen könne", sagte Benz Botmann. Dieser Wunsch ging schließlich, trotz aller Widrigkeiten in Erfüllung: Die neue Trierer Gemeinde hat heute 500 Mitglieder. Und Oberbürgermeister Klaus Jensen beteuerte: „Wir sind immer auf ihrer Seite."

Zur Wachsamkeit gegen Rechtsextremismus rief Charlotte Knobloch auf, sprach von der Liebe zum eigenen Land: „Wer ein Haus baut, der bleibt auch!" und schrieb ins Goldene Buch der Stadt: „Mut und Zuversicht für unsere gemeinsame Zukunft".

swr