7. Jahrgang Nr. 9 / 28. September 2007 - 16. Tischri 5768

Feige Tat

Rabbiner mit Taschenmesser niedergestochen – mutmaßlicher Täter festgenommen

Eine Woche nach der Messerattacke auf einen Rabbiner in Frankfurt hat die Polizei den mutmaßlichen Täter festgenommen. Der 22-jährige Deutsche afghanischer Abstammung hat den Angriff auf den jüdischen Geistlichen zugegeben, eine Tötungsabsicht jedoch bestritten. Die Ermittler gehen davon aus, dass Täter und Opfer sich zufällig begegnet sind. Der Tatverdächtige sei bisher politisch nicht in Erscheinung getreten, er gehöre keiner islamistischen Organisation an, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Allerdings stand der mutmaßliche Täter bereits zwei Mal wegen Gewaltdelikten vor Gericht. Erst im Januar war er von einem Jugendrichter in Frankfurt-Höchst verwarnt und wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt worden und im Mai hat das Gericht einen Strafbefehl über 600 Euro erlassen.

Der 42 Jahre alte Rabbiner war am Abend des 7. September mit zwei Bekannten auf dem Nachhauseweg von der Synagoge. Auf einer verkehrsreichen Straße sprach der Deutsch-Afghane den Mann an, der . Dieser gehört einer orthodoxen Glaubensgemeinschaft an und war durch seine Kleidung ganz klar als jüdischer Geistlicher zu erkennen war. Laut Zeugenaussagen rief der Angreifer «Scheiß-Jude, ich bringe dich um».

Der Festgenommene bestreite diese Drohung, so die Ermittler. Er habe den Rabbiner mit dem orientalischen Gruß «Salam alaikum» angesprochen. Daraufhin sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen. Schließlich habe er zu gestochen.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat ein Schweigen der muslimischen Verbände zu der Messerattacke kritisiert. Sie sei bestürzt, dass sich die maßgeblichen Gruppierungen nicht öffentlich von solchen Handlungen distanzierten, sagte Knobloch. Politik und Kirchen müssten die islamischen Gruppierungen aus ihrer Zurückhaltung herausholen und sie daran erinnern, wo und wie sie lebten. Nur so könnten die Muslime langfristig vor radikalen Auswüchsen bewahrt werden.

Die CDU-Landesregierung, die Oppositionsparteien im Wiesbadener Landtag, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und der DGB waren erleichtert über die Festnahme. Roth sagte: «Es ist wichtig für unsere Stadt, dass der Fall so schnell aufgeklärt werden konnte.»

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