7. Jahrgang Nr. 6 / 29. Juni 2007 - 13. Tammus 5767

Jede Menge Jüdisches

Drei Veranstaltungsreihen präsentieren in diesem Sommer jüdische Kultur in Berlin

Von einem kulturellen Sommerloch kann in Berlin dieses Jahr keine Rede sein – denn gleich drei Veranstaltungsreihen zu jüdischer Kultur bereichern den Kultursommer in Berlin: Das Sommerprogramm im Jüdischen Museum, die Jüdischen Kulturtage der Berliner Gemeinde und das Jüdische Filmfest.

Im Rahmen des 5. Kultursommers kann man im Jüdischen Museum unter anderem „Jazz im Garten" im Liegestuhl genießen und Berliner Musikern wie der Electro-Jazzband Micatone oder Paul Brody lauschen. Bei Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich der Museumsgarten zusätzlich montags in einen Kinosaal unter Sternen. In der Freiluft-Kinoreihe Oivavoi werden ab Juli Komödien von und über Juden gezeigt, darunter die Satire „Sein oder nicht sein" von Ernst Lubitsch (1942) oder Woody Allens „Stadtneurotiker" (1977). Ein Höhepunkt des Kultursommers ist das Fest zum 100. Geburtstag des Berliner Kaufhauses KaDeWe, das der jüdische Kaufmann Adolf Jandorf 1907 eröffnete. Unter dem Titel „Schaufenster zur Welt - Das KaDeWe zu Gast im Jüdischen Museum Berlin" erinnert das Museum an die wechselvolle Geschichte eines der führenden Warenhäuser der Welt. Im Garten des Museums werden kulinarische Köstlichkeiten aus der Feinschmeckerabteilung des KaDeWes angeboten, ergänzt wird das Fest durch eine Ausstellung zur Geschichte der Schaufensterkunst.

Den Abschluss des Kultursommers bildet die Lange Nacht der Museen am 25. August. Begleitend zur Sonderausstellung »Charlotte Salomon - Leben? Oder Theater?«, die am 16. August eröffnet, hat eine Bühnenfassung des autobiografischen Werks der Künstlerin Premiere. Unter dem Titel „Heben Sie das gut auf! Das ist mein ganzes Leben!" nähert sich die Schauspielerin Joanne Gläsel malend, singend und erzählend Charlotte Salomon. In Kooperation mit der Universität der Künste Berlin werden dazu Bilder Salomons auf eine Großleinwand im Museumsgarten projiziert und musikalisch begleitet.

Das Coco-Schumann-Quartett spielt am 24. Juni und ein Wochenende vorher wird ein Schachturnier veranstaltet. Am 9. Juli liest der Schauspieler Florian Lukas aus Helga Kurzchalias Buch „Hier – deutsche Grenzgeschichten". In vierundvierzig Porträts erzählt die Autorin von Menschen in ehemals deutschen Grenzregionen und ihren Vorstellungen des Deutsch-Seins. Kurzchalia berichtet über ihre Spurensuche für dieses Buch.

Das 13. Jüdische Filmfest Berlin 2007, das bis 30. Juni lief, zeigte Filme aus aller Welt, darunter zahlreiche Deutschlandpremieren. Seit seiner Gründung 1995 versteht sich das Festival als Forum für den jüdischen Film. Internationale Regisseure und Schauspieler präsentierten ihre Spielfilme und es gab anregende Diskussionsrunden. Am Ende wurden zwei Filmpreise verliehen: der Gerhard-Klein-Publikumspreis ging an den israelischen Film „The Galilee Eskimos" und mit dem Preis für die beste israelische Filmproduktion wurde der israelische Dokumentarfilm „5 Days" ausgezeichnet.

Israelische Popstars, verbotene Musik, eine Begegnung jüdischer und arabischer Musiker aus Israel, die wiedergefundenen Träume eines 15-jährigen Mädchens stehen auf dem Programm der 21. Jüdischen Kulturtage, die die Jüdische Gemeinde zu Berlin vom 31. August bis zum 9. September organisiert: Neben Musik - von HipHop und Pop über Klezmer bis zur Klassik - wird ein großes Gemeinde-Fest gefeiert und in der Ausstellung Wo ist Lemberg? die wechselvolle Geschichte einer Stadt im Osten, die ein wichtiges Zentrum europäischen Judentums, ein Ort der Zuflucht vor antisemitischer Verfolgung, aber auch des Aufbruches aus der Enge der galizischen Shtetls war, wiederzuentdecken.

Über die zahlreichen Festivals im Berliner Kultursommer hinaus, wird die Eröffnung der größten Synagoge Deutschlands in der Rykestraße in Prenzlauer Berg gefeiert. Sie wird wieder wie bei der Einweihung 1904 gestaltet sein und soll auch für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt werden. Die Synagoge - eine von einst 35 in der Weimarer Republik - ist von den Architekten Ruth Golan und Kay Zareh saniert worden. Informationen unter: www.juedische-kulturtage.org.

Ulf Meyer