7. Jahrgang Nr. 6 / 29. Juni 2007 - 13. Tammus 5767

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Antisemitismus-Studie

Aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus sind Gegenstand eines neuen Forschungsprojekts an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wissenschaftler des Instituts für Germanistische Sprachwissenschaft wollen untersuchen, ob sich in Deutschland eine neue Form der Judenfeindschaft entwickelt hat. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich Antisemitismus heute verbal offen zu erkennen gibt oder hinter verschleierten Ausdrucksweisen verbirgt. Primär werde er, so die Forscher, über Sprache transportiert. Textwissenschaftliche Analysen sollen klären, welche argumentativen Strategien und Stereotypen moderne Antisemiten verwenden. Viele Vorurteile aus dem Mittelalter wie der «wuchernde« oder »geizige« Jude leben nach Erkenntnissen der Jenaer Forscher immer noch. Oft zeige sich »moderner Antisemitismus" auch getarnt als Antiisraelismus. Analysiert werden für die Studie rund 5000 Briefe und E-Mails aus den Jahren 2004 bis 2007, die an den Zentralrat der Juden in Deutschland sowie die israelische Botschaft in Berlin gesandt wurden. Nach Angaben der Wissenschaftler weisen diese «deutliche Tendenzen» auf. Eine erste Sichtung der Texte habe ergeben, dass die Verfasser nicht etwa aus sozialen oder politischen Randgruppen, sondern aus der «Mitte» der Gesellschaft stammten.
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