7. Jahrgang Nr. 6 / 29. Juni 2007 - 13. Tammus 5767

Magie und Zauberei sind tabu

Von Rabbiner Dr. Joel Berger, Stuttgart, über den Wochenabschnitt Balak

Über eine ungewöhnliche Episode aus der Zeit der Wanderung unserer Vorfahren in der Wüste erzählt uns die Parascha für den Schabbat Balak, den wir am 29. Juni (13. Tammus) feiern. Balak, der König von Moab geriet in Panik, als die aus Ägypten befreiten Israeliten an der Grenze seines Landes auftauchen. Jene wollten aber bloß in Richtung Kanaan durch die Gebiete Moabs (Region zwischen dem Toten Meer und Jordanien, im Norden des heutigen Israels) durchziehen. Der König hatte aber Angst, dass die Israeliten sein Land überrollen würden. Da der Herrscher seinen militärisch-strategischen Kräften nicht vertraute, setzte er Zauber und Magie gegen die „Wüstlinge" ein. Er lud den in der ganzen Gegend geachteten und geschätzten Magier Bileam zu sich ein. Der König wollte ihn gegen eine fürstliche Belohnung engagieren, damit er die Israeliten verfluchte. Zunächst weigerte sich Bileam, erklärte aber schließlich seine Bereitschaft. Doch am Ende misslang sein Unterfangen: Er konnte die erwarteten Flüche nicht über seine Lippen und sprach stattdessen einen Segen aus.

Diese Episode aus der Tora wirft jedoch die Frage auf, welchen Stellenwert und Bedeutung Zauberei und Magie für die Welt der Tora haben? Die Weltanschauung und auch die Gesetzgebung der Tora lehnen diese als verwerfliche Praktiken ab und verbieten kategorisch jegliche Magie als götzendienerische Handlung.

Die biblische Schöpfungsgeschichte berichtet, daß G-tt die Menschen in Seinem Ebenbilde erschaffen hatte.

Der berühmte jüdische Orientalist Ludwig Blau meint: „Die Aufgabe der Magie bestand Anfangs vornehmlich in der Beschwörung der Geister [...]" (L. Blau: Das altjüdische Zauberwesen. Akad. Verl. Graz, 1974. S.10 ). Man verließ sich in früheren Zeiten - wie im Falle des Königs Balak – darauf, dass sich die Zauberer mit den gefürchteten Dämonen in Verbindung setzen werden. Der Glaube an die Macht des Zaubers schien unter den Völkern des alten Orients weit verbreitet zu sein.

Balak, der altertümliche König des Landes Moab wollte, dass der Magier Bileam die Israeliten durch seine Beschwörungen, also durch die Kraft seiner Worte, lähmt und kampfunfähig macht. Der königliche Wunsch basierte auf der im ganzen Orient verbreiteten Vorstellung, dass das ausgesprochene Wort eine überaus große Kraft, oder sogar Macht besitzt. Laut dieser Vorstellung regt der Mensch - insbesondere ein wortgewandter Magier - „die um ihn weilenden Dämonen entweder zum Mittun oder zur Zeugschaft" an. Selbst in der nachbiblischen Zeit ermahnt der Talmud: „Der Mensch öffne seinen Mund nicht dem „Widersacher" - auf hebräisch heißt es sogar „dem Satan". Das heißt, man soll nichts Böses gegen jemanden aussprechen, weil dies auch weitere unangenehme, schädliche Nachwirkung haben könnte.

Für uns Juden ist die Episode Balaks auch deshalb bemerkenswert weil sein Magier mit seiner „Kunst" keinen Erfolg verbuchen konnte. Vielmehr haben die Verleumder späterer Zeiten, die uns verteufelten, viel öfters Gehör gefunden.