7. Jahrgang Nr. 6 / 29. Juni 2007 - 13. Tammus 5767

Kein Transrapid für Iran

Zentralrat empört über deutsche Beteiligung am geplanten Bau der neuen Bahnstrecke für den „Pilgerzug"

Zukunft 7. Jahrgang Nr. 6
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt die Pläne für eine Transrapid-Strecke im Iran entschieden ab. "Ich halte deutsche Hilfe beim Bau des Transrapids in einem Land, dessen Präsident unentwegt verkündet, dass er Israel vernichten will, für völlig inakzeptabel". Zuvor hatten bereits der Zentralrat der Juden in Deutschland, das US-Außenministerium und Außenpolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion das Projekt scharf kritisiert.

Der geplante Bau einer Transrapid-Strecke im Iran mit Unterstützung deutscher Unternehmen hat große Sorge bei der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, ausgelöst: „Mit Blick auf die nuklearen Ambitionen und die menschenverachtenden Äußerungen des iranischen Machthabers ist es skandalös, Geschäfte mit diesem Regime zu machen", erklärte Knobloch. „Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Deutschland ist ein fatales politisches Signal", fügte sie hinzu. Mit Holocaust-Leugnern dürfe keine Geschäftsbeziehung eingegangen werden. „Gerade Deutschland darf demokratisches Verantwortungsbewusstsein nicht gegen Wirtschaftsinteressen eintauschen", so Knobloch.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, hat sich ebenfalls gegen eine Lieferung des Transrapids in den Iran ausgesprochen. „Es geht nicht, dass auf der einen Seite der Präsident dieses Staates die Auslöschung eines Mitgliedsstaates der UN fordert, dass man es von der Landkarte radiert und auf der anderen Seite von Deutschland aus so getan wird, als könnte man zur Tagespolitik übergehen. Bevor dieses Geschäft zu Stande kommt, muss Deutschland klären, wie die Position des Iran tatsächlich ist, ob es sich hier um die Meinung eines einzelnen handelt, oder ob das allgemeine iranische Politik ist, was ich mir schlecht vorstellen kann, da die Opposition im Iran doch verhältnismäßig stark ist", sagte Korn. Der Iran plant den Bau einer 850 Kilometer langen Transrapid-Strecke für den Transport von Millionen Pilgern. Die Münchner Ingenieurfirma Regierungsbaumeister Schlegel hat nach eigenen Angaben vor wenigen Wochen den Auftrag erhalten, eine Machbarkeitsstudie für das Projekt zu erstellen.

Der Schwebezug könnte Pilger aus der Hauptstadt Teheran ins mehr als 800 Kilometer entfernte Maschhad im Nordosten des Landes bringen. Nach Darstellung des Ingenieurbüros stellte die iranische Regierung 1,1 Milliarden Euro als Anschubfinanzierung bereit. Das Projekt hatte der frühere bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu während eines Iran-Besuchs vor rund drei Jahren eingefädelt.

ja/dpa/zu