27.06.2007

Der Sechs-Tage-Krieg – Tagung in Berlin

Das Israelbild in Deutschland – der Sechs-Tage-Krieg als Wendepunkt? Hat sich das Israelbild der Deutschen nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 gewandelt? Wenn der Sechs-Tage-Krieg als Wendepunkt für die deutsche Linke angesehen werden kann, welche langfristigen Auswirkungen hatte der Krieg auf die einzelnen politischen Lager in Deutschland? Diesen Fragen gingen der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Heinrich-Böll-Stiftung auf einer hochkarätig besetzten Tagung im Centrum Judaicum in Berlin am 19. Juni nach. Der gebürtige Israeli, Professor Doron Kiesel von der Fachhochschule Erfurt, antworte auf die Frage nach einem Paradigmenwechsel mit einem klaren „Ja": „Als „glühender Zionist" bin ich 1967 nach dem Abitur sofort nach Israel gegangen. Als ich fünf Jahre später nach Deutschland zurückkehrte, stellte ich sofort fest, dass sich in Deutschland das Klima antiisraelisch gewandelt hatte."

Diesen Wandel bestätigte Ralf Fücks vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung: „ Im Rückspiegel besehen wurde 1967 zum Wendepunkt im Verhältnis der Linken zu Israel. Die Haltung, dass der jüdische Staat „zu uns" gehörte, ging weitgehend verloren." Gleichzeitig brachte Fücks seine Sorge um die Zukunft Israels zum Ausdruck, die auch vierzig Jahre nach dem historischen Sieg nicht geklärt ist.

Dr. Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, der in einer flammenden Begrüßung eingestand, dass die Juden in Deutschland, was das Schicksal Israels angehe, immer Partei waren, sprach von einer Nahostobsession vieler Deutscher. „Viele interessieren sich nur für die Opfer des Nahostkonflikts, obwohl andere Kriege wesentlich mehr Tote fordern." Graumann sah für die Zukunft die Gefahr, dass Deutschland mehr und mehr auf Distanz zu Israel geht. „Möllemann kam vielleicht zu früh, doch es wird andere Möllemänner geben."