4. Jahrgang Nr. 7 / 23. Juli 2004 - 5. Aw 5764

«Kein nettes Denkmal»

In Berlin wurde „Richtfest“ für das Holocaust Mahnmal gefeiert, dass an die sechs Millionen ermordeten Juden Europas erinnern soll

Halbzeit beim Bau des Holocaust Mahnmals in Berlin-Mitte: Knapp zehn Monate vor der geplanten Eröffnung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas stehen 1400 der 2751 Betonstelen auf dem 19.000 Quadratmeter großen Mahnmalgelände unweit des Brandenburger Tores. Gleichzeitig wurde die Richtkrone für den unterirdischen «Ort der Information», in dem das Schicksal der Juden im Nationalsozialismus dokumentiert werden soll, gesetzt. In vier Räumen sollen die Stätten der Vernichtung, Einzelschicksale, die Namen der Opfer sowie die europäischen Gedenkstätten dargestellt werden. Das Mahnmal nach Plänen des amerikanischen Architekten Peter Eisenman soll 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, am 9. Mai 2005, offiziell eingeweiht werden.

Es werde «kein nettes Denkmal» sein, sagte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in dem noch leeren unterhalb des Stelenfeldes gelegenen Informationszentrum. Das Denkmal solle ein «Stein des Anstoßes» zum Nachdenken über deutsche Geschichte sein. Allerdings betonte er auch, dass das Mahnmal nicht zum Magneten für rechtsextremistische Demonstranten werden dürfe. Nach der Eröffnung sollen schärfere Sicherheitsbestimmungen geprüft werden. Als «gute Nachricht» verkündete Thierse, dass der auf 28 Millionen Euro veranschlagte Bau im Kosten- und Finanzrahmen liege.

Die bis zu fünf Meter hohen Betonsäulen erinnern an ein graues, wogendes Feld. Die Höhe der Quader nimmt zur Mitte des abschüssigen Geländes zu, so dass im Zentrum das heftigste Gefühl der Desorientierung und Ferne entstehen könne, sagte Eisenman bei einer Begehung des gigantischen Areals. Jeder Besucher solle bei dem Gang im Dickicht des rasterförmig angelegten Stelenfeldes den eigenen Empfindungen freien Lauf lassen. «In seiner Stille soll das Mahnmal vor allem die Deutschen von heute ansprechen», so der Architekt.

dpa