7. Jahrgang Nr. 5 / 25. Mai 2007 - 8. Siwan 5767

Startschuss für neuen Studiengang

26 Studenten auf Entdeckungsreise: Feierliche Eröffnung für das Studienfach "Jüdische Sozialarbeit" an der Fachhochschule Erfurt

Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) blickt mit Stolz auf den Beginn eines ganz besonderen Studiengangs: Es war sicherlich ein ungewöhnlicher erster Semestertag an der Fachhochschule Erfurt, wo die Teilnehmer des neuen Studiums "Jüdische Sozialarbeit" am 24. April mit Sekt und jiddischem Gesang herzlich begrüßt wurden. Männer und Frauen, in der Mehrheit zugewandert, aber auch wenige Alteingesessene, alle aber sozial aktiv in jüdischen Gemeinden und Einrichtungen in Deutschland, fanden sich hier zusammen, um einen ersten Einblick in Studieninhalte und Lernorte zu erhalten.

Der Direktor der ZWST, Beni Bloch erinnerte in seiner Eröffnungsrede daran, wie alles anfing: Von der Sicherstellung der Finanzierung durch die Dorothea Gould-Stiftung über die Vertragsunterzeichnung zwischen ZWST und FH Erfurt bis hin zu 26 neuen Studenten, die mit diesem dreieinhalbjährigen Studium völliges Neuland betreten. Es war nicht ganz einfach, die Idee Realität werden zu lassen, doch "[...]wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist" betonte Bloch.

Was ist das Neue und Besondere an diesem Pilotprojekt? Der Rektor der FH, Prof. Dr. Heinrich Kill skizziert in seiner Begrüßung die Brücke zwischen Hochschulstudium und berufsbegleitendem Weiterbildungskurs, die mit diesem neuen Studiengang gebaut wird. So wird den Teilnehmern, die schon lange haupt- oder ehrenamtlich in den Gemeinden tätig sind, aber immer wieder an Grenzen stoßen, eine nachträgliche Qualifizierung ermöglicht, die ihnen dann auch weiterführende berufliche Möglichkeiten eröffnet.

Die Ausbildung umfasst Präsenzstudienzeiten an der FH Erfurt oder an der ZWST Bildungsstätte Max-Willner-Heim in Bad Sobernheim, verschiedene Module des E-Learnings und Selbststudiums und ein Praxissemester. Am Ende gibt es einem "Bachelor of Arts für Soziale Arbeit".

Beni Bloch und Kursleiterin Prof. Dr. Esther Weitzel-Polzer betonten, dass man gemeinsam einen neuen, nicht ganz einfachen Weg des gemeinsamen Lernens beschreite. Die Methode des E-learnings und Selbststudiums erfordere wesentlich mehr Selbstdisziplin und Konzentration als die Stunden im Hörsaal. Zumal dieses Studium in den Alltag von Beruf und Familie, wie unterschiedlich das auch bei jedem einzelnen aussehen mag, eingegliedert werden muss. Doch Beni Bloch insistierte, dass die ZWST immer da sei, falls es Probleme gäbe und man solle nicht den Mut verlieren, wenn es mal nicht so zügig weiterginge.

Durch die Anwesenheit von Rabbiner Dr. Joel Berger aus Stuttgart wurde die jüdische Perspektive der Sozialarbeit - und damit auch dieses Studiengangs - besonders hervorgehoben. Er sprach von einem "Bild der Berufung" der sozialen Arbeit im Judentum und betonte die hohe Bedeutung des ewigen Lernens im Judentum. Wenn sich auch die Lehrinhalte am Grundstudiengang Soziale Arbeit orientieren, so werden doch der breite Einfluss jüdischer Sozialwissenschaft sowie die Bedeutung jüdischer Sozialarbeit und jüdischer Ethik die Studenten begleiten.

Der Satz aus dem Talmud "Auf drei Dingen steht die Welt: Auf der Tora, der Awoda (Gottesdienst) und auf Gemilut Chassidim (Sozialarbeit)" könnte als ein Leitbild des neuen Studienganges bezeichnet werden. Heike von Bassewitz

Rückfragen und Infos:
Dr. Gudrun Maierhof, Kursleitung und Organisation
FH Erfurt, Zentrum für Weiterbildung
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maierhof@fh-erfurt.de