7. Jahrgang Nr. 4 / 27. April 2007 - 9. Ijar 5767

Ein Leben im Zeichen von Toleranz und Nächstenliebe

Das Jüdische Museum Frankfurt würdigt den 1999 verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, mit einer umfangreichen Ausstellung

Von Ulf Meyer

"Ich bin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens " – dass dieses Zitat von Ignatz Bubis heute so selbstverständlich klingt, liegt daran, dass Bubis selbst maßgeblich dazu beigetragen hat, dass der Inhalt mit Leben erfüllt wurde. Bubis, der in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden wäre, widmet das Jüdische Museum Frankfurt eine Ausstellung, in der sein Leben und Wirken reflektiert wird: Als einer der prominentesten jüdischen Vertreter in Deutschland - zunächst für die jüdische Gemeinde in Frankfurt, dann als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (1992 bis zu seinem Tod 1999 ) und schließlich seit 1998 als Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses - war Bubis als engagierte „moralische Instanz" in Deutschland bekannt.

Als Frankfurter Kommunalpolitiker und Mitglied des FDP-Bundesvorstandes hat er die großen Konflikte der Frankfurter Stadtpolitik in den 70-iger und 80-iger Jahren entscheidend mit geprägt. Auch als anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche 1998 der Schriftsteller Martin Walser seine kontroverse Rede „Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede" hielt, bezog Bubis Stellung: Die von Walser geforderte Tendenz, „einen Schlussstrich" unter die deutsche NS-Vergangenheit zu ziehen, trat Bubis unerschrocken entgegen. Bubis setzte sich zeitlebens dafür ein, dass sich die hiesige jüdische Gemeinschaft dauerhaft auf ein Leben in Deutschland einlassen und stärker öffnen sollte. Sein Vertrauen in die Stabilität der deutschen Demokratie fand im Ausland große Beachtung, stieß aber auch auf Kritik.

Ignatz Bubis wurde 1927 in Breslau geboren, wuchs in Deblin (Polen) auf und überlebte als einziger seiner Familie den Holocaust. Nach dem Zweiten Weltkrieg handelte er sich in Dresden, Berlin und Pforzheim mit Schmuck und Edelmetallen, um zu überleben. Nach seiner Heirat mit Ida Rosenman zog er 1956 nach Frankfurt am Main und wurde Immobilienmakler. Dadurch wurde er in den 70-iger Jahren immer wieder zur Zielscheibe der öffentlichen Kritik im Konflikt zwischen Stadtentwicklung, Anwohnern und der studentischen Protestbewegung. Weil die literarische Auseinandersetzung mit diesem Konflikt in Rainer Werner Fassbinders Schauspiel „Der Müll, die Stadt und der Tod" antisemitische Klischees nutzte, protestierte Bubis erfolgreich gegen die Aufführung des Theaterstücks.

Der jüdische Unternehmer setzte sich ebenso für die Nichtverjährbarkeit nationalsozialistischer Gewaltverbrechen ein wie für den Bau des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Deutschland sollte seiner Meinung nach aufgrund seiner Vergangenheit „strikt für Menschen- und Bürgerrechte eintreten und offen für Zuwanderer und Flüchtlinge sein" und unterstützte deshalb eine Änderung des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts. Seine Engagement für jüdische Flüchtlinge, die zu Beginn der 90-iger Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kommen wollten, führte zu einer Stärkung der jüdischen Gemeinden in Deutschland.

Als „Missionar eines toleranten Zusammenlebens von jüdischen und nichtjüdischen Deutschen" galt Bubis manchen als "Inkarnation der Alternative zum Zionismus", was ihn bisweilen zur unbequemen Persönlichkeit in und für Israel machte. Das verfolgte ihn buchstäblich bis ins Grab: Während Bubis' Beerdigung in Israel wurde sein Grab von dem israelischen Künstler Meir Mendelssohn mit schwarzer Farbe beschmutzt.

Mit der Ausstellung über Bubis beginnt das Jüdische Museum Frankfurt eine Reihe von Projekten zur Auseinandersetzung mit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland nach 1945. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Im Rahmenprogramm werden Vorträge, Diskussionen und Workshops veranstaltet.

16. Mai – 11. November 2007
im Jüdischen Museum Frankfurt,
Untermainkai 14 – 15
www.juedischesmuseum.de/wechselausstellungen/bubis.html .