7. Jahrgang Nr. 4 / 27. April 2007 - 9. Ijar 5767

„Wir bauen eine Integrationsbrücke"

Zuwanderer Natalia und Efim Tchernin legen Forschungsergebnisse zur Zuwanderung vor und werben damit für mehr Verständnis und Annäherung in den Gemeinden

Vor gut zehn Jahren kamen Natalia und Efim Tchernin als russische Zuwanderer nach Bremen. Das Forscher- und Dozentenehepaar aus dem sibirischen Novosibirsk ließ sich durch den räumlichen Wechsel nicht beirren und nahm spontan seine wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich Soziologie und Wirtschaftswissenschaft wieder auf. In der neuen Heimat war es nahe liegend, die Integration jüdischer Zuwanderer in die jüdischen Gemeinden und den neuen Kulturkreis unter soziologischen Aspekten zu erforschen. Schließlich verfügte das Ehepaar über die nötige Kompetenz und Erfahrung aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit an der Universität von Novosibirsk.

„Mit Hilfe unserer neuen Studien wollen wir zwischen Deutschen und Zuwanderern eine ,Integrationsbrücke' bauen", erklärt Natalia Tchernin das Forschungsziel. Dafür wurden zunächst unendlich viele Einzelinterviews mit Zuwandern geführt, in denen die Forscher nach biographischen Aspekten, individuelle Besonderheiten, Motivation und Erwartungshaltung der Zuwanderer fragten. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Integration und vor allem das Zusammenwachsen und Verstehen der alteingesessenen Mitglieder und der Zuwanderer in den Gemeinden besser gelingt, je mehr beide Gruppen von einander wissen. Deshalb ist jedes noch so kleine biographische Details außerordentlich wichtig", sind die Forscher überzeugt.

Ihre erste Studie wurde 2003 unter dem Titel Integration und Adaption jüdischer Immigranten/innen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion veröffentlicht. Es folgten die Studien Was bedeutet das jüdische Leben für Sie? und Integration auf dem Arbeitsmarkt . Zur Zeit untersuchen die Tchernins die Bewegungen Jüdischer Zuwanderer auf der „sozialen Leiter", d.h. wie erfolgreich oder wie wenig erfolgreich sind die Zuwanderer vor allem beruflich. Efim Tchernin: „Das besondere an unseren Studien ist, dass sie einen sehr persönlichen Charakter haben."

Vor allem die Jüdische Gemeinde Bremen orientiert sich in ihrer Arbeit stark an den Ergebnissen der vorgelegten Studien. „Es geht um Integration durch Information. Wir versuchen, den Deutschen so viel wie möglich über uns zu erzählen. Dafür veranstalten wir Vorträge in Schulen oder an der Universität und laden zu öffentlichen Veranstaltungen in die Gemeinde", erläutert das aktive Gemeindemitglied Natalia Tchernina.

Ebenso wichtig sei es, so die beiden Forscher, den Zuwanderern die deutsche Gesellschaft und das deutsche Judentum näher zu bringen. „Die Integrationsbrücke ist keine Einbahnstraße. Annäherung und Verständnis müssen auf beiden Seiten wachsen", ist Herr Tchernin überzeugt. Informationen und Kontakt: ntcherni@net , Telefon 421/ 65 32 09

Irina Leytus