4. Jahrgang Nr. 7 / 23. Juli 2004 - 5. Aw 5764

Auch im Alter noch aktiv

Im Saul Eisenberg-Seniorenheim finden ältere Gemeindemitglieder ein neues Zuhause – hier fühlen sie sich gut betreut und herzlich aufgenommen

Von Miryam Gümbel

Freitagnachmittag im Saul Eisenberg- Seniorenheim. Im Mehrzweckraum treffen sich einige Bewohner zur Schabbat-Feier. Russischsprachige ebenso wie Deutschsprachige, schließlich sind rund 35 Prozent der Menschen hier Zuwanderer. Der Tisch ist vorbereitet. Sonja Manigodic und Larissa Morgounovska helfen beim Ablauf der kleinen Feier. Die Texte für die Gebete und Lieder liegen als Computerausdrucke in großer Schrift auf dem Tisch, so dass alle mitbeten und mitsingen können. Ester Karp entzündet die Kerzen. Die Rollstuhlfahrerin ist sehr aktiv. Für dieses Wochenende hat sie gemeinsam mit einigen anderen Frauen und der Hilfe der Betreuerinnen erstmals die Challe gebacken. Dass sie dafür einhellig gelobt werden, bringt Freude in ihren Alltag. Den Segen über Wein beziehungsweise Traubensaft und Brot spricht an diesem Nachmittag Elik Gendler. Er ist der einzige Mann in der Runde und ein begeisterter Sänger. Nach dem Abschluss der Feier unterhält sich der kleine Kreis noch ein wenig. Die Frauen überlegen, ob sie für die nächste Woche wieder backen wollen. Dabei werden Erinnerungen an früher wach und Rezepte diskutiert. Schließlich trennt man sich, geht wieder in die Zimmer zurück oder setzt sich in den hellen und großen Wintergarten.

Der Großteil der Bewohner bedarf intensiver Betreuung und Pflege. Schließlich, sagt Heimleiterin Jennifer Krusche, liegt ihr Durchschnittsalter bei 86 Jahren. Die meisten Bewohner kämen erst ins Saul Eisenberg-Seniorenheim, wenn sie zu Hause allein nicht mehr zurechtkämen. Um Menschen, die keine Angehörigen mehr haben und sich allein gelassen fühlen, kümmern sich engagierte Gemeindemitglieder. Bei offiziellen Feiern - wie Chanukka, Purim, zum Sommerfest oder zu Geburtstagen - wird ihr Einsatz auch den Gästen sichtbar, die seltener kommen.

Wie die Freiwilligen aus der Gemeinde helfen, erzählt Ester Karp, die sich trotz ihres persönlichen Handicaps nach einem Schlaganfall ebenfalls intensiv um ihre Mitbewohner kümmert. Da ist der Frauenverein Ruth, der sich die Unterstützung von Alten, Schwachen und Hilfsbedürftigen in der Gemeinde zur Aufgabe gemacht hat. Die „Ruth“-Damen kommen, wann immer sie Zeit finden. Bewohner, die ihre Wünsche wegen Sprach- und Sprechproblemen nur schwer artikulieren können, hilft der Heimbeirat.

Auch die B’nai B’rithLoge engagiert sich im Seniorenheim. Regelmäßig kommt Vera Szackamer von der Loge, um die älteren Frauen und Männer zu besuchen. Claudia Nowotny gehört zu den Gemeindemitgliedern, von deren Engagement die Öffentlichkeit mehr oder weniger nur beiläufig erfährt. Sie betreut unter Anleitung von Ingeborg Idler die Tanz- und Gymnastikgruppe. Mittwochs und freitags kommen regelmäßig etwa ein Dutzend älterer Menschen zu einer Bewegungstherapie mit Musik zusammen; ein gutes Drittel von ihnen sind Rollstuhlfahrer.

Gemeindevorsitzende Charlotte Knobloch informiert sich neben ihren Besuchen ständig über das Schicksal des Seniorenheims und seiner Bewohner. Sie lässt sich von Jennifer Krusche über Wünsche und Probleme des Heims immer auf dem Laufenden halten. Wegen des wachsenden Anteils an Pflegebedürftigen werden entsprechende Umbaumaßnahmen im Seniorenheim notwendig. Dass sich die Bewohner im Saul Eisenberg- Seniorenheimgut betreut fühlen, bestätigt Donya Maslowa, die schon viele Jahre hier lebt. Von der Heimleiterin übers Pflegepersonal unter Dinah Zenker bis hin zum Portier trage jeder dazu bei, „damit wir uns wohl fühlen“.