7. Jahrgang Nr. 3 / 30. März 2007 - 11. Nissan 5767

Streit um Bischofskritik an Israel beruhigt sich langsam

Nach den umstrittenen Äußerungen deutscher Bischöfe zum Nahost-Konflikt beruhigt sich die Diskussion wieder. Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, rief zur Mäßigung auf und sagte, ein Vergleich mit der Politik der Nazis sei eine "gefährliche Übertreibung"; er akzeptiere aber die Klarstellung der Bischofskonferenz.

Die deutschen Bischöfe hatten nach einem Besuch in Ramallah und Bethlehem wegen der Sperranlagen, des Mauerverlaufs auf palästinensischem Gebiet, der Straßensperren zwischen palästinensischen Orten und wegen des Siedlungsbaus Kritik am israelischen Vorgehen geübt. Unter anderem sprach Bischof Hanke vom "Getto in Ramallah" und der Augsburger Bischof Walter Mixa von einer "gettoartigen Situation".

Israels derzeitiger Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, sagte, er setze auf einen "Prozess des Nachdenkens" bei den Geistlichen. Er habe ein Gespräch mit Kardinal Karl Lehmann geführt und bleibe zum Dialog bereit. Weiter hieß es, die von einigen Bischöfen gezogenen Vergleiche zwischen der heutigen Situation in Israel und den Gettos zur Zeit des Nationalsozialismus hätten ihn entsetzt und empört. Zwar sei es legitim, Israel zu kritisieren. Aber "wenn man Begriffe wie 'Warschauer Getto' oder 'Rassismus' im Zusammenhang mit der israelischen beziehungsweise palästinensischen Politik benutzt, dann hat man alles vergessen oder nichts gelernt oder moralisch versagt."

Kardinal Karl Lehmann hatte erklärt, er halte die scharfe Kritik einiger Bischöfe am israelischen Vorgehen gegenüber den Palästinensern für nicht angemessen. Heutige Probleme oder Situationen des Unrechts dürften nie "in irgendeiner Weise mit dem nationalsozialistischen Massenmord an den Juden in Verbindung" gebracht werden.

Bischofskonferenz-Sekretär Pater Hans Langendörfer bedauerte den "Missklang", der sich in die Reise eingeschlichen habe. Der Konferenz-Vorsitzende Lehmann habe in allen offiziellen Gesprächen "das von bestimmten Seiten immer noch in Frage gestellte Existenzrecht des Staates Israels nachdrücklich unterstrichen und auf die Bedrohung seiner Einwohner durch den Terrorismus hingewiesen".
KNA