7. Jahrgang Nr. 2 / 23. Februar 2007 - 5. Adar 5767

Nach 79 Jahren am Ziel

In München öffnet am 22. März das neue Jüdische Museum seine Türen

Ulf Meyer

Das neue Jüdische Museum München kann bereits vor seiner Eröffnung auf eine lange Vorgeschichte zurückblicken: Denn die Historie des Hauses reicht bis in das Jahr 1928 zurück, als in München erstmals die Idee entstand, ein Jüdisches Museum zu bauen. Über 30 Jahre später, in den 60er Jahren, griff Hans Lamm, der damalige Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München, diese naheliegende Idee wieder auf. Der entscheidende Anstoß zu dem großen Neubau des Museums, der nun am 22. März endlich in München eröffnet wird, stammte aber schließlich von einem Privatmann: Der Galerist Richard Grimm eröffnete in den 80er Jahren auf eigene Faust in der Maximilianstraße (s)ein privates Jüdisches Mini-Museum, das sich trotz seiner „Größe" von nur 28 Quadratmetern seither zu einem viel besuchten Ort in München entwickelt hat. Als Grimms Provisorium aufgelöst werden musste, übernahm die israelitische Kultusgemeinde seine Sammlung und zeigte sie fortan in ihren bisherigen Ausstellungsräumen an der Reichenbachstraße. Dort leitete Grimm das Interimsmuseum bis 2001 als kleine städtische Einrichtung, in der auch das örtliche Stadtmuseum und -archiv fleißig Ausstellungen und Veranstaltungen organisierte.

Doch erst mit den Plänen für den Bau der neuen Hauptsynagoge „Ohel Jakob" und des neuen Gemeindezentrums am St.-Jakobs-Platz konnte das museale Provisorium endlich beendet werden: Der Entwurf des gesamten Ensembles stammt von den Architekten Wandel Hoefer Lorch und Hirsch aus Saarbrücken. Die Zusammengehörigkeit ihrer drei Gebäude haben sie durch die Verwendung des gleichen Fassadenmaterials unterstrichen, auch wenn - anders als S ynagoge und Gemeindezentrum - das Museum finanziell von der Stadt getragen wird.

Der freistehende Kubus des Museums hat ein umlaufend verglastes Foyer „als Schaufenster zur Stadt". Neben Information und Kasse befinden sich dort auch eine Buchhandlung und ein Café sowie Studienräume. Das Museum gehört zum neuen architektonischen Ensemble „ Jüdisches Zentrum" und wirkt wie ein Bindeglied zwischen Gemeindezentrum und Synagoge . Der St.-Jakobs-Platz wird von der Berliner Garten- und Landschaftsarchitektin Regina Poly neu gestaltet.

Die Sammlungsbestände des Jüdischen Museums München sind leider noch recht fragmentarisch und auch Neuzugänge meist von puren Zufällen bestimmt. Aus dieser Not will das Jüdische Museum jedoch eine Tugend machen und verstärkt temporäre Ausstellungen zeigen. Das erste und zweite Obergeschoss des Neubaus sind für die geplanten Wechselausstellungen und eine kleine ö ffentliche Bibliothek vorgesehen. Das Untergeschoss nimmt die Dauerausstellung des Jüdischen Museums auf. Die Ausstellungsgestaltung stammt von Martin Kohlbauer aus Wien. Auf insgesamt 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche will Münchens neueste kulturelle Bereicherung ab März Einblicke in die Münchner jüdische Geschichte und Kultur eröffnen - 79 Jahre nach den ersten Ideen für ein Jüdisches Museum in München.

Weitere Informationen unter: www.juedisches-museum.muenchen.de

Jüdisches Museum München,
St.-Jakobs-Platz 16, ab 22. März,
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr